Papst: Fußwaschung ist Geste für in die Knie gezwungene Menschheit
02.04.202620:19
Vatikan/Papst/Krieg/Gründonnerstag/Fußwaschung
Leo XIV. feierte Gründonnerstagsliturgie in Lateranbasilika und wusch zwölf Priestern die Füße
Rom, 02.04.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat am Gründonnerstag Gewalt und Machtstreben verurteilt. Dass Jesus seinen Jüngern beim Letzten Abendmahl die Füße wusch, sei nicht ein Beispiel dafür, "wie man herrscht, sondern wie man befreit; wie man das Leben zu einer Gabe macht, nicht wie man es zerstört", sagte Leo XIV. am Donnerstagabend in Rom. Die Messe vom Letzten Abendmahl stand dieses Jahr ganz im Zeichen der Rückkehr zur Tradition: Anders als sein Vorgänger Papst Franziskus hat Leo XIV. die Gründonnerstags-Liturgie, in der die Kirche in besonderer Weise der Einsetzung der Eucharistie und des Priesteramtes gedenkt, wieder in der römischen Bischofskirche des Papstes im Lateran gefeiert - und dabei zwölf Priestern die Füße gewaschen.
Die Demutsgeste der Fußwaschung sei ein Beispiel der Hingabe, des Dienens und der Liebe, so der Papst inn seiner Predigt. Damit wende sich Jesus nicht nur gegen übertriebenen Starkult (Idolatrie) und Gotteslästerung; "er reinigt auch unser Bild vom Menschen, der sich mächtig wähnt, wenn er herrscht, der siegen will, indem er seinesgleichen tötet, der sich für groß hält, wenn er gefürchtet wird", so Leo XIV.
Stattdessen wünschten sich die Menschen einen "Gott der Erfolge und nicht der Passion", zitierte er Papst Benedikt XIV. Sie suchten einen Gott, "der uns dient, der uns zum Sieg verhilft, der nützlich ist wie Geld und Macht", kritisierte der Papst.
"Lasst uns also angesichts einer Menschheit, die aufgrund vieler Arten von Brutalität in die Knie gezwungen ist, auch selbst niederknien als Brüder und Schwestern der Bedrückten", so der seit knapp elf Monaten amtierende Papst bei seiner ersten Gründonnerstagsliturgie in der römischen Lateranbasilika.
Nach seiner Predigt nahm er selbst die symbolische Fußwaschung an zwölf Priestern vor; elf von ihnen hatte er im vergangenen Jahr selbst geweiht, einer ist Seelsorger des römischen Priesterseminars. Dazu legte er ein weißes Übergewand um, übergoss jeweils einen Fuß des Priesters mit Wasser aus einem Krug, trocknete ihn mit einem Tuch ab, küsste ihn und nickte dem Priester zu. Die Zeremonie, die vor dem Hauptaltar der Basilika vollzogen wurde, dauerte etwa fünf Minuten.
In seiner Predigt hatte Leo betont, dass Jesus beim Letzten Abendmahl auch das Sakrament der Eucharistie und des Priesteramtes eingesetzt habe. Bischöfe und Priester seien damit "Zeichen seiner Liebe gegenüber dem ganzen Volk Gottes, dem mit unserem ganzen Sein zu dienen wir, geliebte Mitbrüder, gerufen sind", so der Papst vor zahlreichen Kardinälen, Bischöfen und Priestern. "Der Gründonnerstag ist daher ein Tag tiefster Dankbarkeit und wahrer Brüderlichkeit."
Papst Pius XII. (1939-1958) hatte die Fußwaschung 1955 als möglichen Bestandteil der Abendmahlsmesse festgeschrieben. 2016 öffnete Papst Franziskus (2013-2025) das Ritual auch für Frauen. Er nutzte es auch, um marginalisierte Gesellschaftsgruppen wie Migranten oder Häftlinge in den Mittelpunkt zu rücken, indem er ihnen die Füße wusch. Mit der Rückkehr in den Lateran knüpft Leo XIV. an die Tradition der Päpste vor dem am Ostermontag 2025 gestorbenen Franziskus an.