Salzburger Liturgiewissenschaftler zu Speisensegnung: "Selbst theologisch schlüssige Argumentation, stößt an Grenzen, wo es um liebgewonnene, emotional hochgradig besetzte Tradition geht"
Klagenfurt, 03.04.2026 (KAP) In Kärnten beginnt Ostern traditionell oft schon am Karsamstag am Vormittag mit der Segnung der Osterspeisen. Und das obwohl das Hochfest offiziell erst mit der Osternacht gefeiert wird. Ein ganzes Bundesland feiert laut dem Liturgiewissenschaftler Alexander Zerfaß demnach zu früh. Speziell die Segnung der Osterspeisen hat in Kärnten eine besondere Bedeutung. Historisch erfolgte sie am Ostersonntag, also nach der Feier der Osternacht, die ursprünglich als eine nächtliche Vigil von Samstag auf Sonntag begangen wurde, erklärt der Professor für Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie an der Universität Salzburg.
Die Osternacht verlor jedoch im Laufe der Zeit ihre Bedeutung. Als Gründe nannte Zerfaß, die Entstehung der eigenständigen Karfreitagsliturgie, Rückgang der Erwachsenentaufe und schrittweise Vorverlegung liturgischer Horen. Im 19. Jahrhundert kam schließlich die Praxis auf, die Segnung der Osterspeisen - die Bereitung der Speisen für das Fastenbrechen - am Karsamstag zu vollziehen. "Ich denke, dass dies auch mit der vorverlegten Osternacht zusammenhing - wenn diese bereits früh am Karsamstag stattfindet, dann soll die Speisensegnung zeitlich nahe erfolgen", erklärte Zerfaß.
Ursprünglich gehörte zur Feier der Osternacht auch der Aspekt der Finsternis, "die sich zu Ostern in Licht wandelt, das Leidensgedächtnis vor der Auferstehungsfreude". Dies sei im 4. Jahrhundert aber als Teil der Karfreitagsliturgie aufgenommen worden.
Die Ostervigil rückte folglich auf den Vormittag des Karsamstags. Zudem habe bis ins 20. Jahrhundert eine Klerus-Liturgie stattgefunden, "an der das Volk nicht unbedingt teilgenommen hat". Die Volksfrömmigkeit habe daher eigene Schwerpunkte entwickelt, etwa liturgische Spiele oder die Fleischweihe, die emotional und traditionell stärker prägend gewesen seien.
Dank und Bitte
Ein wichtiger Aspekt der Osterspeisen komme aus der Landwirtschaft, so der Liturgieexperte. Nach dem Winter seien bestimmte Nahrungsmittel oft nur eingeschränkt zur Verfügung gestanden. "Das betraf Fleisch, Käse, aber auch edlere Getreidesorten wie das helle Weizenmehl. Im Frühjahr gab es diese Produkte wieder in größerer Fülle. Das war Anlass dafür, eine Segnung vorzunehmen." Die Segnung habe somit das Fastenbrechen sowie Dank und Bitte zugleich verbunden, erklärt Zerfaß. In agrarisch ländlich geprägten Regionen habe sich diese Praxis tief in der Mentalität verankert.
Spätestens mit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanums wurde darauf hingewiesen, dass Brauchtümer wie die österliche Speisensegnung sinnvollerweise am Sonntag stattfinden sollten. In manchen Regionen wie Kärnten sei allerdings "die lang eingespielte Volksmentalität dieser Rückbesinnung nicht mehr gefolgt, weil sich die Verschiebung der Aufmerksamkeit auf den Vollzug am Karsamstag so stark etabliert hatte", wies der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft katholischer Liturgiewissenschaftlerinnen und Liturgiewissenschaftler im deutschen Sprachgebiet hin.
Die Grenzen der Theologie
Als Alternative nannte Zerfaß, die Bereitung und den Verzehr der Osterspeisen voneinander zu trennen. "Also, dass man sie zum traditionellen Zeitpunkt am Karsamstag segnen lässt, aber mit dem Verzehr wartet. Dieser ist Ausdruck der Auferstehungsfreude, deren Anlass wir ja erst in der Osternacht feiern." Man müsse aber auch sagen: "Selbst diese theologisch schlüssige Argumentation, die sich inhaltlich nicht leugnen lässt, stößt wahrscheinlich an Grenzen, wo es um eine liebgewonnene, emotional hochgradig besetzte Tradition geht."
Ostern als die Feier der Auferstehung Christi ist das wichtigste Fest der Christenheit - Datum in der katholischen und evangelischen Kirche heuer am 5. April - Orthodoxe Christinnen und Christen feiern am 12. April