Erzabt: Große Sorge um Ungarn und Appell zum Zusammenhalt
05.04.202608:00
Ungarn/Kirche/Politik/Orden/Hortobagyi
Erzabt von Pannonhalma, Hortobágyi, in Osterbotschaft: Andersdenkende nicht als Feinde betrachten - Wahlen am 12. April - "Wie auch immer wir entscheiden, am nächsten Tag wachen wir im selben Land auf"
Budapest, 05.04.2026 (KAP) In Ungarn steht am kommenden Sonntag mit den Parlamentswahlen eine entscheidende Richtungswahl an. Der Erzabt der Benediktinerabtei Pannonhalma, Cirill Hortobagyi, hat im Blick darauf in seiner Osterbotschaft mit großer Sorge das vergiftete politische Klima im Land angesprochen und zu einem neuen Miteinander und gesellschaftlichem Zusammenhalt aufgerufen. Die Kirche nimmt er zugleich als Friedensstifter in die Pflicht, die hinsichtlich Dialogbereitschaft und Versöhnung Vorbildfunktion haben müsse.
Wörtlich schreibt der Abt: "In Ungarn blicken wir mit Anspannung und Angst in die Zukunft. Es wird immer schwieriger zusammenzuleben und einfacher, einander abzulehnen. (...) Wir urteilen schnell, wir stempeln leicht ab, die Sprache des öffentlichen Lebens verstärkt die Gegensätze." Dabei gehe der gesellschaftliche Zusammenhalt verloren.
Die Ungarinnen und Ungarn seien "voller Sorge darüber, wohin wir gehen, und voller Unsicherheit darüber, wohin wir gehören". Mit Entsetzen beobachte er, so der Erzabt, "dass mittlerweile fast jedes Mittel erlaubt ist, um die andere Seite zu diskreditieren, zu vernichten und moralisch zu vernichten". Es sei eine Situation entstanden, "in der es sogar zu körperlichen Übergriffen kommt und in der sich beide Seiten in ihrer Existenz bedroht fühlen". Ein Mensch mit christlichen Werten könne aber solche Methoden nicht gutheißen und dürfe den Andersdenkenden nicht als Feind betrachten.
Eindringlich ruft der Erzabt zum Zusammenhalt auf und zur Achtung der Demokratie: "Wie auch immer wir entscheiden, am nächsten Tag wachen wir im selben Land auf. Wir gehen auf denselben Straßen, bringen unsere Kinder in dieselben Schulen, sitzen in der Kirche neben denselben Menschen und begegnen denselben Menschen. Am nächsten Tag beginnt keine neue Gemeinschaft. Wir müssen in der bestehenden weitermachen und sie verbessern. Gemeinsam."
Die Zeit nach der Wahl werde zeigen, "ob wir trotz unserer Unterschiede fähig sind, uns als Gemeinschaft zu sehen. Ob Meinungsverschiedenheiten uns trennen oder ob wir lernen, damit zu leben. Wie wir miteinander sprechen, wie offen wir dem anderen gegenüber bleiben - das ist wichtiger als jeder Sieg."
Für den Frieden arbeiten
Der Erzabt zeigt sich in seiner Osterbotschaft höchst besorgt: "Möge Gott geben, dass ich nicht Recht behalte, aber in naher Zukunft werden die gesellschaftlichen Spannungen wohl noch größer werden als derzeit." Umso mehr sei die Kirche gefordert, selbstkritisch innezuhalten und sich als Friedensstifter zu bewähren. Der hl. Benedikt lehre: "Suche den Frieden und jage ihm nach." Hortobagyi: "Der Frieden entsteht nicht von selbst. Man muss ihn suchen und dafür arbeiten - jeden Tag."
Hortobagyi erinnert an Papst Franziskus, der immer wieder darauf drängte, Brücken zu bauen: "Die Brücke beseitigt zwar nicht die Unterschiede, aber sie ermöglicht die Begegnung. Auch in der Erzabtei Pannonhalma arbeiten wir mit Menschen zusammen, die unterschiedlich denken. Unsere Erfahrung ist, dass der Dialog nicht selbstverständlich ist, aber möglich. Er erfordert Zeit, Geduld und den Willen dazu."
Das Osterfest beseitige die Spannungen nicht. Die Auferstehung sei kein Leugnen der Konflikte, "sondern ein Zeichen dafür, dass die Spaltung nicht das letzte Wort hat, denn es geht weiter. Und sie erinnert daran, dass es immer eine Möglichkeit gibt, neu anzufangen." Jede Gemeinschaft bestehe aus vielen unvollkommenen und zerbrechlichen Menschen, aber auch aus solchen, "die fähig sind, wieder aufeinander zuzugehen, einander die Hand zu reichen und zu sagen: Es sei immer Friede unter uns!", so der Erzabt.