Neuer Jugendbischof Freitag in "Kleine Zeitung"-Interveiw: "Ich will keinesfalls in die Zeiten zurück, in denen die Menschen zum Kirchbesuch gezwungen wurden, das hat nichts mit Glauben zu tun"
Graz, 04.04.2026 (KAP) Der Grazer Weihbischof Johannes Freitag sieht die Zukunft des Christentums weniger von sinkenden Kirchenbesucherzahlen als von der "Glaubenssubstanz" abhängig und warnt vor jeder Form religiösen Zwangs. "Ich will keinesfalls in die Zeiten zurück, in denen die Menschen zum Kirchbesuch gezwungen wurden, das hat nichts mit Glauben zu tun", sagte der neue österreichische Jugendbischof im Gespräch mit Jugendlichen (Kleine Zeitung, 4. April). Für Freitag ist es das erste Osterfest als Weihbischof der Diözese Graz-Seckau.
Glauben habe eine subjektive, erfahrungsbezogene Dimension: "Dass es Gott gibt, ist für mich wahr. Aber Wahrheit kann man niemand anderem aufzwingen." Entscheidend sei die persönliche Berührung im Inneren. In diesem Zusammenhang beschreibt Freitag Gott nicht primär als festes Bild, sondern als erfahrbare Instanz im Gewissen: "Die Kirche sagt, das höchste Gesetz ist das Gewissen des Einzelnen. Deshalb haben wir auch selber für alles, was wir tun, die Letztverantwortung."
Zugleich hebt der Weihbischof im Interview die Bedeutung von Gemeinschaft hervor: Der Mensch sei "nicht als Einzelwesen, als Einzelkämpfer geschaffen", vielmehr brauche es andere, "um einander Gott zu offenbaren". Kirche versteht der Jugendbischof und steirische Weihbischof daher ausdrücklich nicht nur als Institution, sondern als "Gemeinschaft von Menschen, denen etwas wertvoll ist". Diese Gemeinschaft sei auch gesellschaftlich relevant, etwa zur Stärkung von Empathie "in Zeiten von Auseinandersetzung und Krieg".
Mit Blick auf Ostern unterstreicht Freitag die Spannung zwischen historischer Nachweisbarkeit und Glaubensüberzeugung: Für die Auferstehung Jesu gebe es "keine historischen Quellen", wohl aber "die Überzeugung unzähliger Menschen". Dieses überlieferte Zeugnis begründe die Gewissheit des Glaubens. Persönliche Erfahrungen, etwa die Begleitung Sterbender, hätten in ihm den Eindruck verstärkt, "dass hier die Endlichkeit die Ewigkeit berührt".
Glaube könne zudem auch eine Antwort auf moderne Lebensdynamiken sein: Viele Menschen suchten in Gott "einen Ort der Ruhe, der Geborgenheit", einen "Ausweg aus dem Getriebensein". Diese Sehnsucht sei unabhängig von kirchlicher Praxis weiterhin präsent. Entscheidend sei daher weniger äußere Teilnahme als sichtbares, authentisches Zeugnis im Alltag.