Erzbischof Lackner: Ostern als entschiedenes "Trotzdem!" im Heute
05.04.202613:16
Österreich/Kirche/Ostern/Lackner
Salzburger Erzbischof feierte Osternachtsliturgie und Festmesse am Ostersontag im Salzburger Dom - Trotz aller Herausforderungen nicht davon abhalten lassen, den Osterweg im Heute zu gehen
Salzburg, 05.04.2026 (KAP) Mit eindringlichen Mahnungen und Gedanken hat der Salzburger Erzbischof Franz Lackner die diesjährigen Osterfeierlichkeiten im Dom zu Salzburg begleitet. Auf die traditionelle Osternachtsliturgie am Samstagabend, in der das Exsultet (Osterlob) gesungen wird, folgte das Hochamt zum Ostersonntag. Lackner rief dazu auf, Ostern im Bewusstsein des Verlusts, aber als "Trotzdem" im Angesicht von Krisen zu begehen. Der Versuchung, Gott festhalten zu wollen, gelte es zu widerstehen.
In seiner Predigt der Osternacht ging der Erzbischof - er ist auch Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz - auf die Auferstehung als "Geschehen kosmisch-göttlicher Dimension" ein, das Menschen einst wie jetzt überfordere und sich dem Begreifen entziehe. Die leicht unterschiedlichen Berichte in den Evangelien bezeugten demnach die Authentizität der Erfahrungen - sie stimmten aber in der Hoffnungs- und Trostbotschaft überein: "Der Herr ist wahrhaft auferstanden."
Im Heute sei diese Zusage des Lebens über den Tod für viele Menschen kaum noch existenziell greifbar. Die Botschaft habe sowohl an Ernst als auch innerer Freude verloren. "Mit Blick auf die Bibel drängt sich der Vergleich mit schal gewordenem Salz auf - aus heutiger Sicht sollten wir uns fragen: Womit kann man es wieder salzig machen?", so der Erzbischof.
Einen ersten Schritt zur Wiedergewinnung des Verlorenen sieht Lackner im "Innewerden dessen, was fehlt." Er referenzierte dabei den jüngst verstorbenen Philosophen Jürgen Habermas, demzufolge die "verlorene Hoffnung auf resurrectio" eine "spürbare Leere" hinterlassen habe.
Der Erzbischof lud dazu ein, auf die ersten Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung zu blicken: Für die Frauen sei der Verlust Ansporn gewesen, sie hätten sich zum Grab aufgemacht im Wissen, dass es verschlossen sei; die Jünger Petrus und Johannes wiederum hätten das leere Grab gesehen und geglaubt. Dieser "Auferstehungsglaube pur" stelle sich, so Lackner, gerne dort ein, "wo uns Steine den Weg versperren oder gähnende Leere auf uns einwirkt."
Mit Blick auf die Welt schloss der Erzbischof: "Kriege sind unsere unverrückbar scheinenden Steine. Im Bemühen, etwas dagegen zu unternehmen, starrt auch uns eine gähnende Ohnmacht an. Das ist nun die Stunde unseres 'Trotzdem!' Unser 'Dennoch' - wir lassen uns nicht abhalten, den Osterweg im Heute zu gehen. Es mag in unseren Herzen frühmorgens und noch dunkel sein, doch es ist dies die Stunde der Sehnsucht nach Frieden, Liebe und Gerechtigkeit, und nach Leben über den Tod hinaus."
Versuchung, Gott festhalten zu wollen
In der Predigt zum Ostersonntag lud Erzbischof Lackner ein, Gott nicht vorrangig im Spektakulären, sondern "im Kleinsten enthalten" zu suchen. Anhand der Szene um Maria von Magdala am leeren Grab schilderte Lackner die Begegnung mit dem Auferstandenen als ein leises, zutiefst personales Geschehen, das er als "Magdalenensekunde" deutete: einen Moment, in der "Unendlichkeit auf Endlichkeit trifft". Dass Maria sich dabei von Jesus abwende, erklärte Lackner nicht als Irritation, sondern als Reaktion auf die Unfassbarkeit des wahren Wesens des Auferstandenen. Die Weisung Jesu "Halte mich nicht fest!" sieht er als Schlüssel der Osterbotschaft: Gott lasse sich nicht besitzen oder fixieren, sondern begegne im Augenblick.
Auch von einer persönliche Magdalenensekunde berichtete der Erzbischof, die er im Blick seiner sterbenden Mutter erlebt habe. Er betonte: "Die Osterbotschaft in ihrem innersten, kleinsten Kern sind Augenblicke Gottes; er schaut uns an, spricht uns an oder berührt uns für einen Augenblick. Unsere Reaktion können wir nicht vorherbestimmen. Mit Petrus bitterlich zu weinen wäre für mich eine gute Option; mit Maria von Magdala sich umdrehen und bekennen ist sicher die beste. Oder auch, wie in meinem Fall, als Gezeichneter eines Blickes durch das Leben gehen." Keinesfalls, so schloss der Erzbischof, dürfe man Gott festzuhalten versuchen.