Steindl-Rast: Auferstehung ist Gottes Ja zur Botschaft von Jesus
06.04.202614:09
Österreich/Glaube/Ostern/Kirche/Orden
Benediktinermönch im Interview mit Tiroler Kirchenzeitung: "Botschaft vom Reich Gottes hat in jeder Hinsicht dem Römerreich widersprochen. Und weil Jesus begonnen hat, es umzusetzen, wurde er hingerichtet"
Innsbruck, 06.04.2026 (KAP) So wichtig und richtig für Christen der Glaube an die Auferstehung ist, für die Jünger Jesu war sie vor allem eine göttliche Bestätigung für das Wirken und die Botschaft Christi. Darauf hat der bekannte Benediktinermönch David Steindl-Rast (99) im Interview mit der aktuellen Tiroler Kirchenzeitung hingewiesen. Dass Jesus am Kreuz gestorben ist, musste seinen Jüngern wie ein Gottesurteil erscheinen, dass Gott doch nicht hinter ihm gestanden ist. "Die Auferstehung war für sie in erster Linie die Bejahung Gottes, dass Gott hinter dem Lebenswerk Jesu steht. Dieses Lebenswerk Jesu war die Bemühung, das Reich Gottes auf Erden aufzurichten. Und darum haben sie sich dann auch bemüht", so der bekannte spirituelle Buchautor.
Bezeichnend dafür sei auch das Verhalten der ersten Christen gewesen, wovon die biblische Apostelgeschichte berichte: "Die Gemeinde hat alles geteilt, sie war gewaltfrei, und sie hat in jeder Hinsicht zusammengearbeitet. Das waren die wichtigsten Punkte des Reiches Gottes, der Gottesherrschaft." Gewaltfreiheit, Zusammenarbeit und Teilen stünden aber genau im Gegensatz zu der Machtpyramide des Römischen Reiches, die Jesus zum Tod verurteilt habe. "Das Reich Gottes hat in jeder Hinsicht dem Römerreich widersprochen. Und weil Jesus es gepredigt hat und begonnen hat, es umzusetzen, wurde er hingerichtet."
Gefragt nach seiner persönlichen Vorstellung vom Himmel - Steindl-Rast erreicht am 12. Juli seinen 100. Geburtstag - antwortete der Mönch: "Wir wissen absolut nichts. Wir können es uns ungefähr so vorstellen, wie sich eine Raupe das Leben als Schmetterling vorstellen kann. Aber wir wissen viel darüber, ohne uns Vorstellungen machen zu können. Wir wissen, dass Gottes Liebe uns nicht fallen lassen wird. Dass sie vom Sterben überhaupt nicht beeinflusst wird. Und dass die Liebe zu unseren Freunden und Verwandten als Vorgeschmack zur Gottesliebe untrennbar dazugehört. Und dass wir hoffen dürfen, mit unseren Lieben vereint zu werden. Aber wie man sich das vorstellen kann, wissen wir nicht."
Mit einem zweitägigen Kolloquium im Stift Kremsmünster wird im Juli der Benediktinermönch anlässlich seines 100. Geburtstags gewürdigt. Die Veranstaltung unter dem Titel "Geheimnis des Lebens" findet am 10. und 11. Juli statt, kurz vor seinem runden Geburtstag. Neben Vorträgen umfasst das Programm spirituelle und kulturelle Elemente, u. a. eine Festmesse mit dem Wiener Erzbischof Josef Grünwidl sowie ein Live-Gesprächsformat mit Bruder David selbst. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Europakloster Gut Aich statt, in dem Steindl-Rast heute lebt.