Theologin Csiszar: Synodaler Prozess bringt Frauenfrage zum Durchbruch
06.04.202612:51
Österreich/Kirche/Frauen/Zölibat
Für Linzer Pastoraltheologin sind jene, "die an der Frontlinie schuften", die Botschafter der Auferstehung - Zulassung von Frauen zum Diakonat wird länger dauern als Freistellung vom Zölibat
Wien, 06.04.2026 (KAP) Für die Linzer Pastoraltheologin Klara-Antonia Csiszar sind jene in der Kirche, "die an der Frontlinie schuften", die Botschafter der Auferstehung. Es seien diejenigen, "die bei den Menschen sind, am Krankenbett sitzen, mit Menschen im Gespräch sind, bei den Armen sind, tatsächlich an den Brennpunkten der existenziellen Verwundung dabei sind, sei es in Flüchtlingslagern, im Krieg, oder überall, wo hautnah Leid erfahrbar wird und das Leben unmöglich zu sein scheint", so die Synodenexpertin im Interview mit der "Presse" am Sonntag. "Sie sind die Botschafter der Auferstehung", und Auferstehung habe etwas mit "Durchbruch" zu tun, so wie beim weltkirchlichen synodalen Prozess. "In diesen Perspektivenwechsel setze ich ganz viel Hoffnung."
"Mit dem synodalen Prozess erleben wir jetzt sicher einen Durchbruch", so die Theologin. Das geschehe aber nur "dank der Bemühungen von so vielen, die da mittun, mittragen, mitdenken und trotz aller Schwierigkeiten und Enttäuschungen nicht aufgeben. Diese Menschen sind, wenn man so will, die Werkzeuge von Ostern bis in die kirchlichen Strukturen hinein."
Solchen Menschen und dem synodalen Prozess sei es zu verdanken, dass man in der katholischen Kirche weltweit Frauen jetzt tatsächlich im Blick habe und dass "die Frage nicht mehr ad acta gelegt werden kann, überhaupt die Frauen nicht mehr ad acta gelegt werden können - nicht zuletzt durch das Engagement von Frauen im deutschsprachigen Raum. "Ohne diese Vorarbeit, Beharrlichkeit, manchmal Mut, manchmal Geduld, stünden wir heute weltkirchlich nicht da, wo wir sind. Aber was für uns hier im deutschen Sprachraum schon langweilig ist und berechtigterweise auf Ungeduld stößt, ist an anderen Ecken der Welt oder in anderen Kontexten manchmal noch zu viel", gab Csiszar zu bedenken.
Frauendiakonat noch nicht absehbar
Sie, Csiszar, habe Papst Leo im Oktober eine Frage stellen können: Was sich Frauen im Zuge dieser synodalen Selbstfindung der Kirche hinsichtlich Gleichstellung erhoffen dürfen. Der Papst habe darauf hingewiesen, dass diese Frage sehr oft eine kulturelle sei und darum gebeten, dass wir uns stärker vom Evangelium leiten lassen, wenn wir uns bei der Frauenfrage positionieren.
Und "das Evangelium sagt, dass für Jesus gerade die, die klein gemacht und ausgegrenzt worden sind, die ersten Adressaten seiner Botschaft waren. Er wollte niemanden ausschließen", so die Pastoraltheologin. "Wir müssen überlegen, was es heißt, wenn wir das bis zum Ende durchdenken, und zwar in allen Facetten der Kirche. Gleichzeitig glaube ich aber, die Problematik hinsichtlich Frauen wird nicht über die Weihe gelöst werden können." Wichtiger sei, dass "das Dazugehören von Frauen in der Kirche auch ohne Weihe zum Normalfall wird und indem nicht nur Männer über die Frauen in der Kirche entscheiden, sondern auch die Frauen mit am Besprechungstisch sitzen."
Im Blick auf die für 2028 weltweite kirchliche Versammlung im Vatikan rechnet die Synodenexpertin nicht mit einer positiven Entscheidung zum Frauendiakonat, "das dauert länger. Es wird kommen, aber momentan scheint es für mich wahrscheinlicher, in der Kurie mehr Präfektinnen an der Spitze von Dikasterien zu haben, bisher sind das meist Kardinäle."
Demgegenüber seien Änderungen bei der verpflichtenden Ehelosigkeit für Priester wahrscheinlicher. "Den Zölibat fakultativ zu machen, wäre nach meinem Verständnis etwas einfacher als Frauen zu weihen." So kenne die katholische Kirche schon jetzt verheiratete Priester - etwa in der Ostkirche." Es sei realistisch, dass die Aufhebung des Pflichtzölibats kommen werde, "auch wenn es nicht von Rom entschieden wird, sondern Rom vielleicht den Bischofskonferenzen die Möglichkeit geben wird, das jeweils einzeln für sich zu entscheiden. Das könnte auch bei den Diakoninnen so sein." Sollte es sich so entwickeln, dann stelle sich auch die Frage, "wie die Arbeit der Bischofskonferenzen künftig ausschauen wird - ob nur eine Handvoll Bischöfe entscheidet, oder Konsultationen mit repräsentativen Mitgliedern aus dem Volk Gottes einer Entscheidung vorausgehen", gab Csiszar zu bedenken.
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