"Alle sollen eins sein" lautet das offizielle Motto der Visite von Leo XIV. in dem afrikanischen Land, das auch von politischen Turbulenzen, ethnischen Spaltungen und Gewalt gezeichnet ist
Rom/Yaoundé, 08.04.2026 (KAP/KNA) Die katholischen Bischöfe in Kamerun erhoffen sich vom kommenden Papstbesuch positive Auswirkungen für mehr Einheit im Land. "Alle sollen eins sein" lautet das Motto der Visite vom 15. bis 18. April. "Wir haben dieses Thema vor dem Hintergrund dessen ausgewählt, was bei uns im Land passiert: politische Turbulenzen, ethnische Spaltungen, die Verbreitung von Hassrede und die Gewalt in einigen Teilen unseres Landes", sagte der Bischofskonferenz-Vorsitzende Andrew Fuanya Nkea laut "Vatican News" im Vorfeld.
Die Einheit, von der das Motto der Papstreise spreche, sei allerdings nicht nur politisch gemeint, sondern ziele generell auf den Umgang der Menschen untereinander und den vorherrschenden Ton in der Gesellschaft, so der Erzbischof von Bamenda im Nordwesten des Landes.
"Einige Herzen haben sich in den letzten zehn Jahren verhärtet", sagte Nkea mit Blick auf seine Erzdiözese Bamenda. "Die Reise wird einen Eindruck hinterlassen und einige Herzen weicher machen." Bamenda ist die wichtigste Stadt für die englischsprachige Minderheit in Kamerun. Von hier gehen immer wieder Konflikte mit der französischsprachigen Bevölkerungsmehrheit des Landes aus.
Es ist nicht die einzige Krise, die der Staat zu bewältigen hat. Im Norden verübt die aus Nigeria stammende islamistische Terrorgruppe Boko Haram Anschläge. Gut eine halbe Million Menschen sind auf der Flucht.
Yaounde, Bamenda und Douala
Der Papstbesuch in Kamerun ist Teil einer elftägigen Afrika-Reise, die das Kirchenoberhaupt ab 13. April auch nach Algerien, Angola und Äquatorialguinea führen wird. In Kamerun sind Stationen in der Hauptstadt Yaounde und den Städten Bamenda und Douala vorgesehen.
Der Besuch von Leo XIV. ist der vierte eines Papstes seit Kameruns Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1960. Zuletzt war Benedikt XVI. 2009 zu Gast. Sein Vorgänger Johannes Paul II. hatte Kamerun 1985 und 1995 besucht.
"Afrika im Miniaturformat"
In Kamerun leben gut 30 Millionen Menschen; das Durchschnittsalter beträgt 19,4 Jahre. Mehr als 250 ethnische Gruppen leben im Land; zu den größten gehören die Bamileke und die Bamun. Laut dem Online-Portal Ethnologue werden 273 Sprachen gesprochen. Die Kolonialsprachen Französisch und in den Regionen Nordwest und Südwest Englisch werden oft als Verkehrssprachen genutzt. Etwa 38 Prozent der Bevölkerung sind Katholiken, rund 25 Prozent Protestanten. Jeder vierte Kameruner gehört dem Islam an.
"Die Schweiz Afrikas" oder "Afrika im Miniaturformat" - für Kamerun gibt es viele Bezeichnungen, die eines gemeinsam haben: Der Staat in Zentralafrika, der an sechs Nachbarländer grenzt und Schnittstelle zwischen West- und Zentralafrika ist, zeichnet sich durch große Vielfalt aus.
Am Atlantik gelegen, verfügt Kamerun über 400 Kilometer Küste. Der 4.095 Meter hohe Mount Cameroon im Südwesten, ein aktiver Vulkan, ist der höchste Berg der Region. Während das Klima im Süden tropisch ist, ist es im Norden trocken und heiß. Der Klimawandel macht sich vielerorts bemerkbar: Temperaturen steigen; es kommt vermehrt zu Starkregen - eine Belastung für die Bevölkerung.
Neben Bodenschätzen wie Erdöl, Gas und Bauxit verfügt Kamerun auch über fruchtbares Farmland. Die Landwirtschaft bleibt zentraler Arbeitgeber.
Langzeitherrscher Biya
Der wohl bekannteste Kameruner ist Paul Biya. Der Langzeitherrscher - geboren am 13. Februar 1933 - ist seit 1982 an der Macht und ältester Staatschef der Welt. Zuletzt wurde er im Oktober 2025 im Amt bestätigt; bei Protesten rund um die Wahl kamen laut UN-Angaben mindestens 48 Menschen ums Leben.
Die Nichtregierungsorganisation Freedom House bewertet Kamerun aufgrund von Einschränkungen der Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit, Korruption und Wahlmanipulation als "nicht frei".
Langer Schatten der Kolonialzeit
Die Krise im anglophonen Teil begann 2016. Seit Jahrzehnten fühlt sich die Bevölkerung von der Regierung in der Hauptstadt Yaounde marginalisiert. Bewohner kritisierten etwa, dass sie - obwohl das Land zweisprachig ist - schlechtere Chancen bei Bewerbungen hätten.
Proteste brachen schließlich aus, als Französisch im Schul- und Justizsystem eingeführt werden sollte. Über Jahre lieferten sich Separatistenbewegungen Kämpfe mit Sicherheitskräften der Regierung. Von der unsicheren Lage profitieren heute vielfach kriminelle Banden.
Die Krise ist eine Spätfolge der Kolonialzeit und verfehlter Integrationspolitik. Von 1884 bis 1919 war Kamerun deutsche Kolonie. Mit dem Vertrag von Versailles nach dem Ersten Weltkrieg ging ein großer Teil des Gebietes an Frankreich, ein kleinerer Teil an die Briten. Im Zuge der Unabhängigkeit stimmte die dortige Bevölkerung 1961 der Zugehörigkeit zu Kamerun zu, erhielt aber Zugeständnisse wie die Beibehaltung der englischen Sprache. Eine Verfassungsänderung im Jahr 1972 stärkte die Zentralregierung in Yaoundé allerdings weiter. Dialogversuche brachten keinen Erfolg.
(Kathpress-Schwerpunkt mit allen Meldungen und Hintergrundberichten zur Afrika-Reise von Papst Leo abrufbar unter www.kathpress.at/papst-in-afrika)