Weihbischof Turnovszky: Regierung gefordert, sich für weltweite Solidarität, Frieden, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit einzusetzen - Superintendent Geist: Friede und Bewahrung der Schöpfung gehören zusammen
Wien, 07.04.2026 (KAP) Im Zeichen des länder- und religionsübergreifenden Einsatzes für den Frieden stand am Ostermontag das Peacewave-Festival in Wien. Die Veranstaltung begann mit einem Friedensmarsch vom Schwedenplatz zum Heldenplatz. Dort setzt sich die Veranstaltung mit einem Programm aus Reden und Musik fort. Höhepunkt war ein abendliches Lichtermeer. Mit dabei waren vonseiten der Kirchen und Religionen u. a. der katholische Wiener Weihbischof Stephan Turnovszky, der evangelische Superintendent Matthias Geist, Oberrabbiner Jaron Engelmayer, Imam Ermin Sehic und Hatice Sahin von den Frei-Aleviten Österreich teil.
Weihbischof Turnovszky richtete am Heldenplatz einen eindringlichen Appell an die Bundesregierung: "Bitte setzen Sie sich mit aller Kraft für Friedensvermittlungen ein, stehen Sie auch nach außen klar und unerschrocken für weltweite Solidarität für Frieden, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit."
Aus christlicher Sicht und weit darüber hinaus sei Gottes Wesen Liebe. "Wir Menschen leben nicht zufällig oder sinnlos, sondern auf ein Ziel hin, nämlich die Anteilnahme an Gottes unermesslicher Liebe", so der Bischof. Das sei die Botschaft der Bibel und erst recht die Botschaft Jesu. So lauteten auch die ersten Worte des auferstandenen Jesus "Friede sei mit euch!" Kriege seien insofern "widernatürlich, als sie der Natur des Menschen, seinem inneren Wesen zuwiderlaufen", denn der Mensch sei auf Gemeinschaft hin geschaffen.
Turnovszky plädierte für eine solche solidarische Gemeinschaft im räumlichen und zeitlichen Sinn: global als Menschheitsfamilie und zeitlich in Mitverantwortung für die folgenden Generationen. Die Haltung "nach uns die Sintflut" sei hingegen unverantwortlich und inakzeptabel.
Um Kriege abzulehnen, bedürfe es aber keiner religiösen Überzeugung, so der Weihbischof weiter, das sei auch der Vernunft einleuchtend: "Kriege führen zu einem Kreislauf aus Gewalt. Sie sind keine Lösung, sondern eine Ursache neuer und schlimmerer Probleme." Sie seien u. a. wirtschaftlich und ökologisch unvernünftig, so Turnovszky, der auch die Waffenindustrie scharf kritisierte.
Friede beginnt im Alltag
In ähnlicher Form wie der katholische Weihbischof äußerte sich auch der Wiener evangelische Superintendent Matthias Geist. Alle, die zu dieser Veranstaltung gekommen sind, zeigten, "dass wir einander nicht egal sind. Dass uns diese Welt nicht egal ist", so Geist: "Wenn wir über Frieden sprechen, dann meinen wir oft das Große: das Ende von Kriegen, das Schweigen der Waffen. Aber Frieden beginnt viel näher. Er beginnt im Alltag. Zum Beispiel dort, wo jemand nicht zurückschlägt - weder mit Worten noch mit Gesten. Wo jemand widerspricht, ohne zu entwerten. Wo jemand teilt, statt nur für sich zu behalten."
Auch die Bewahrung der Schöpfung sei nichts Abstraktes. Sie beginne nicht erst bei großen Konferenzen, sondern bei kleinen Entscheidungen: "Wie wir mit Lebensmitteln umgehen. Ob wir Ressourcen verschwenden oder achtsam nutzen. Ob wir hinsehen, wenn Natur zerstört wird - oder wegschauen."
Friede und Bewahrung der Schöpfung würden zusammenhängen, "denn eine Welt, die ausgebeutet wird, wird selten eine friedliche sein". Und Menschen, die sich abschotten wie in Festungen, würden leicht den Blick füreinander verlieren.
Als Christ glaube er, dass jeder Mensch Ebenbild Gottes sei. Das bedeute: "Jeder Mensch trägt Würde - unabhängig von Herkunft, Religion oder Lebensgeschichte. Wir sind Teil einer großen Menschheitsfamilie." Darum beginne Frieden im Kleinen - aber er bleibe dort nicht stehen, so der Superintendent: "Er wächst, wo Menschen einander Raum geben. Er wächst, wo Grenzen nicht zu Mauern werden. Er wächst, wo wir das Leben schützen - in all seinen Formen."