Jazzmesse "Prayer Wheel" des armenischen Komponisten Karén Asatrián kommt am 24. April zur Aufführung - Mehrtägiges Musikfestivals "Sounds of Armenia" in Wien
Wien, 08.04.2026 (KAP) Jedes Jahr am 24. April gedenken die Armenier weltweit des Völkermordes am armenischen Volk im damaligen Osmanischen Reich ab 1915. Heuer lädt die Armenische Kirche in Österreich am Gedenktag zu einem Konzert in den Wiener Stephansdom. Zur Aufführung kommt die Jazzmesse "Prayer Wheel" des armenischen Komponisten und Musikers Karén Asatrián. Sein Werk verbindet Elemente frühchristlicher Liturgie mit Jazz sowie orientalischen Klangfarben und "schafft damit eine musikalische Sprache des Erinnerns, Aufarbeitens und der Versöhnung", wie es in einer Ankündigung heißt. Die Aufführung erfolgt in Doppelchorbesetzung mit dem Philharmonia Chor Wien und dem Oberstufenchor des Mozart-Musikgymnasiums Salzburg unter der Leitung von Thomas Huber. Die Veranstaltung beginnt um 20.30 Uhr.
Das Konzert ist zugleich der Abschluss des mehrtägigen Musikfestivals "Sounds of Armenia" mit drei weiteren Konzerten von 21. bis 23. April im Jazz- und Musikclub "Porgy & Bess" (1010, Riemergasse 11). Auftakt ist am 21. April eine "Hommage an Charles Aznavour" mit den Chansons des armenischstämmigen Sängers und Komponisten, interpretiert von Titiano ("The Voice of Aznavour") und begleitet von Eric Wilms am Klavier. "Armenian Spirit" lautet der Titel des zweiten Konzerts am 22. April. Karén Asatrián verbindet in seinem Konzert Jazz mit armenischen Klangtraditionen und baut eine musikalische Brücke zwischen Orient und Okzident. Das Ensmeble Duo Masis und Wolfram Berger laden schließlich am 23. April zur Veranstaltung "Erzählte Heimat - gespielte Sehnsucht". Beginnzeit ist jeweils 20.30 Uhr. (Infos: https://porgy.at/events/ bzw. https://www.kunstkultur.com/)
Erster Völkermord des 20. Jahrhunderts
Zwischen 1915 und 1918 waren im damaligen Osmanischen Reich bis zu 1,5 Millionen Angehörige christlicher Minderheiten ermordet worden. Während Historiker vom "ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts" sprechen, räumt die Türkei als Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs lediglich Massenvertreibungen und gewalttätige Auseinandersetzungen mit mehreren Hunderttausend Toten ein.
Begonnen hatten die Ereignisse am 24. April 1915 mit der Verhaftung von 235 armenischen Intellektuellen in Istanbul. Im von Krisen geschüttelten Osmanischen Reich bildeten die Armenier um 1900 eine autonome Gemeinde mit eingeschränkten Rechten. Erfolge in Landwirtschaft, Handwerk und Finanzwesen weckten Neid. Für viele Türken waren die unter westlichem Schutz stehenden Christen Schuld am Siechtum des Reichs.
Schon Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu Pogromen. Allein die Massaker von 1894 bis 1896 hinterließen zwischen 50.000 und 300.000 Tote. Als zwischen 1909 und 1912 auch die Balkanvölker auf Unabhängigkeit von den Türken drängten oder von den Großmächten annektiert wurden, spitzte sich die Situation zu: Die 1908 an die Macht gekommenen Jungtürken zielten auf ein einheitliches Reich, wollten Türkisch und den Islam als alleinige Basis durchsetzen.
Der Erste Weltkrieg lieferte die Gelegenheit, dieses Konzept umzusetzen. Auf Befehl des Innenministeriums wurde die Elite der Armenier zu Tausenden verhaftet und meist ohne Prozess hingerichtet. Zehntausende starben auf Todesmärschen.
Der Widerstand einer kleinen Gruppe ging in die Literaturgeschichte ein: In seinem Erfolgsroman "Die vierzig Tage des Musa Dagh" schilderte Franz Werfel, wie sich im Herbst 1915 mehrere tausend Armenier am 1.700 Meter hohen Mosesberg verschanzten. Kurz bevor sie aufgeben mussten, wurden sie von einem französischen und einem britischen Kriegsschiff gerettet.
Die Gewalttaten hatten ein Nachspiel, das Rechtsgeschichte schrieb: Nach dem Krieg drängten die westlichen Siegerstaaten erstmals auf Kriegsverbrecherprozesse. Ein türkisch besetztes Kriegsgericht in Istanbul stellte fest, dass die Verbrechen zentral vorbereitet wurden und verurteilte 17 Angeklagte zum Tode. Die Haupttäter flohen, wurden aber teils von armenischen Attentätern ermordet.
Die historische Einordnung der Ereignisse hat seitdem immer wieder zu massivem Streit geführt. Eine klare Position hatte Papst Franziskus bezogen. In einem Gottesdienst zum 100. Jahrestag des Beginns der Armenier-Verfolgung im April 2015 bezeichnete er die Ereignisse als "ersten Genozid des 20. Jahrhunderts". Er mahnte die Türkei, die Erinnerung an den Völkermord zu pflegen: "Wo es keine Erinnerung gibt, hält das Böse die Wunde weiter offen", so Franziskus.