Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie verurteilt in Hirtenbrief zum orthodoxen Osterfest jede Instrumentalisierung des christlichen Glaubens für kriegerische Zwecke - "Die Liebe zu Gott duldet keineswegs den Hass gegen den Menschen"
Istanbul, 10.04.2026 (KAP) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat in seiner diesjährigen Osterbotschaft jede Instrumentalisierung des christlichen Glaubens für kriegerische Zwecke scharf verurteilt. Eindringlich ruft der Patriarch zum Frieden in der Welt und zu Gerechtigkeit und Geschwisterlichkeit auf und betont die gleiche Würde jedes Menschen. Die österliche Botschaft von der Auferstehung Christi sei eine Absage an Gewalt und Angst und ein Aufruf zu einem Leben in Frieden, so Bartholomaios: "Der Krieg bringt Klage und Tod hervor; die Auferstehung besiegt den Tod und schenkt Unvergänglichkeit." Die Orthodoxie feiert an diesem Sonntag, 12. April, das Osterfest.
Bartholomaios I. weist abschätzige Behauptungen vom christlichen Ethos als "Moral der Schwachen" zurück und betont vielmehr die selbstlose Liebe, die "nicht ihren Vorteil sucht", verbunden mit Mut, Tapferkeit und existenzieller Echtheit. Wörtlich schreibt der Patriarch: "Das Wort vom Kreuz und von der Auferstehung erklingt heute als Evangelium des Friedens, der Versöhnung und der Gerechtigkeit. Krieg, Hass und Ungerechtigkeit widersprechen den grundlegenden christlichen Prinzipien, für deren Verwirklichung und Festigung das Volk Gottes täglich betet und arbeitet." Und Bartholomaios fügt hinzu: "Die Liebe zu Gott duldet keineswegs den Hass gegen den Menschen."
Der Patriarch ruft zum Gebet für "die Opfer der Gewalt, für die Waisen, für die Mütter, die ihre Kinder beweinen, und für alle, die in Leib und Seele die Folgen menschlicher Grausamkeit und Gefühllosigkeit tragen". Angesichts der täglichen Bilder der Grausamkeit des Krieges verkünde die Kirche mit lauter Stimme "die Heiligkeit der menschlichen Person in jedem einzelnen Menschen, wo auch immer auf Erden, und die Pflicht, sie uneingeschränkt zu respektieren", so Bartholomaios weiter. Es gebe auch nur eine einzige Menschenfamilie.
Der Patriarch erinnert in seiner Osterbotschaft auch an das Panorthodoxe Konzil von Kreta vor zehn Jahren. Dieses habe die Pflicht der Kirche hervorgehoben, "nach dem zu streben, was zum Frieden beiträgt".
Das Osterfest sei der Kern des christlichen Glaubens, so Bartholomaios: "Die Auferstehung des Herrn ist auch unsere eigene Auferstehung in dieser Welt, Vorausbild und Vorgeschmack der 'Auferstehung aller Menschen' und die Erneuerung der ganzen Schöpfung." Der Patriarch schließt mit dem orthodoxen Ostergruß: "Christus ist auferstanden! Wahrhaftig, der Herr ist auferstanden!"