Salzburger Erzbischof eröffnete "Seggauer Gespräche" zum Thema Assistierter Suizid - Es braucht eine starke Stimme des Lebensschutzes gegen eine "mögliche Willkür zeitgeistiger Mehrheitsentscheidungen"
Graz, 09.04.2026 (KAP) Mit einem Plädoyer für eine weiterhin starke Stimme der Kirche in Fragen des Lebensschutzes hat der Salzburger Erzbischof Franz Lackner die "Seggauer Gespräche" eröffnet. Die traditionsreiche Tagung findet heuer am 9./10. April im steirischen Schloss Seggau zum Thema Assistierter Suizid statt. Eine Gesellschaft, die den Suizid nicht mehr "betrauert" und nicht mehr alles daran setze, diesen zu vermeiden, werde "früher oder später diesen Tod nicht nur hinnehmen, sondern ihn als opportun annehmen", warnte Lackner.
"Umso wichtiger wird unser klares Bekenntnis zum Leben als Kirche im gesamtgesellschaftlichen Diskurs zukünftig sein." Es brauche diese Stimme heute dringend, "damit unser Miteinander (...) nicht allein der möglichen Willkür zeitgeistiger Mehrheitsmeinungen unterworfen ist", so der Salzburger Erzbischof. So persönlich das Ereignis von Tod und Sterben sei, so sehr habe es schließlich eine gesellschaftliche Dimension, insofern es nicht nur die Sterbenden betreffe, sondern "auch jene, die zurückbleiben". Lackner: "Die Stimme der Kirche vereint sich mit der aller, die widersprechen müssen und wollen."
Vorträge aus Theologie, Medizin und Recht
Ab Donnerstagnachmittag referieren noch bis Freitag Expertinnen und Experten aus Theologie, Medizin, Recht sowie aus der Praxis über die rechtlichen Rahmenbedingungen, ethischen Herausforderungen und gesellschaftlichen Implikationen des assistierten Suizids in Österreich.
Den ersten Fachvortrag hielt der Mediziner, emeritierte Wiener Moraltheologe und Mitglied der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt, Prof. Matthias Beck. Weitere Vorträge sind vorgesehen vom Linzer Verfassungsjurist Prof. Michael Mayrhofer, dem Grazer Palliativmediziner Gerold Muhri, Michaela Wlatting von der Patienten- und Pflegeombudschaft Steiermark, sowie Alexandra Fuchsbichler von der Österreichischen Apothekerkammer. Den Abschluss bildet ein Vortrag des Vorsitzenden des Fachausschusses für Zivilrecht der Österreichischen Notariatskammer, Christoph Beer, zum Thema "Die Sterbeverfügung aus Sicht der notariellen Praxis".
Die Tagung wird geleitet vom Grazer Philosophen Prof. Reinhold Esterbauer, der Wiener Wirtschaftsethikerin Prof. Katharina Pabel sowie dem Wiener Ökonomen Prof. Christoph Grabenwarter. Organisiert wird die Veranstaltung vom Institut für Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz.
"Seggauer Gespräche" seit 2006
Die "Seggauer Gespräche" wurden 2006 auf Initiative des damaligen steirischen Bischofs Egon Kapellari ins Leben gerufen. Sie haben sich in den vergangenen Jahren als Diskussionsforum an der Schnittstelle von Recht, Religion, Politik und Geschichte etabliert und finden alle zwei Jahre statt. Die Gesprächsreihe ist eine Kooperationsveranstaltung der Diözese Graz-Seckau, der Erzdiözese Salzburg, der Evangelischen Diözese Steiermark, des Instituts für Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz und des Instituts für Europarecht und Internationales Recht der Wirtschaftsuniversität Wien. (Infos: www.katholische-kirche-steiermark.at/portal/specials/seggauergespraeche)