Caritas und Jugend Eine Welt warnen vor drastischen Folgen der Budgeteinschnitte, die sich später auch in Österreich bemerkbar machten und Friedensbemühungen unterliefen
Wien, 09.04.2026 (KAP) Angesichts sinkender österreichischer Entwicklungshilfeleistungen haben die Hilfsorganisationen Caritas und "Jugend Eine Welt" vor negativen Folgen gewarnt. Österreichs Quote für Öffentliche Entwicklungshilfe (ODA) lag 2025 laut aktuellen Zahlen bei 0,33 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) und damit unter dem Vorjahreswert von 0,35 Prozent. Kürzungen könnten globale Krisen verschärfen und langfristig auch auf Österreich zurückwirken, erklärten beide Organisationen am Donnerstag. "Wenn Österreich bei den Entwicklungshilfeleistungen spart, wird das zu uns zurückkommen wie ein Bumerang", warnte Caritas-Vizepräsident Alexander Bodmann.
Weltweite Konflikte, Klimakrise und Ungleichheiten könnten sich auch im Inland stärker auswirken. Österreich entferne sich zudem vom international vereinbarten Ziel, 0,7 Prozent des BNE für Entwicklungshilfe bereitzustellen, so Bodmann. Und weiter: "Wenn Österreich eine friedlichere, gerechtere und stabilere Welt mitgestalten will, dann muss sich das auch in den Budgetzahlen widerspiegeln."
Konkret verwies die Caritas auf Einschnitte bei der Austrian Development Agency (ADA) und dem Auslandskatastrophenfonds (AKF). Diese schwächten zentrale Instrumente der österreichischen Außen- und Entwicklungspolitik und gefährdeten laufende Hilfsprojekte. Ohne ausreichende Finanzierung könnten etwa Programme zur Ernährungssicherung oder Nothilfe nicht fortgeführt werden, so die Hilfsorganisation.
Zukunftschancen auf dem Spiel
"Jugend Eine Welt" und Caritas forderten die Bundesregierung auf, im kommenden Doppelbudget die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit zumindest auf das Niveau von 2024 anzuheben. Investitionen in Entwicklung würden langfristig auch zur Stabilität und Sicherheit in Europa beitragen, während Kürzungen "die Zukunftschancen ganzer Generationen im Globalen Süden" gefährdeten, so "Jugend Eine Welt"-Geschäftsführer Reinhard Heiserer. Auch er erinnerte an das 0,7-Prozent-Ziel der OECD. "Besonders in einer Zeit, in der viele Staaten ihre Entwicklungshilfe drastisch zurückfahren, bräuchte es ein klares Gegenzeichen - nicht weniger, sondern deutlich mehr Mittel für internationale Solidarität."
Entwicklungshilfe sei "kein optionaler Budgetposten", sondern "eine notwendige Investition in Stabilität, Frieden und Perspektiven weltweit", so Heiserer. Einsparungen träfen die Ärmsten unmittelbar und kämen zu einem Zeitpunkt, an dem globale Krisen weiter eskalierten. "Wenn wohlhabende Länder wie Österreich bei den Entwicklungshilfeleistungen jetzt sparen, gefährden sie nicht nur konkrete Projekte, sondern auch die Zukunftschancen ganzer Generationen im Globalen Süden." Gleichzeitig komme die negative Entwicklung auch in Österreich an.
Mit den Budgetkürzungen für ADA und AKF sei laut Heiserer auch der Handlungsspielraum der Hilfsorganisationen stark eingeschränkt. Die Auswirkungen globaler Krisen zeigten sich derzeit etwa in der äthiopischen Region Tigray, wo infolge von Treibstoffmangel die Wasserversorgung in Flüchtlingscamps zusammengebrochen sei. Hilfslieferungen könnten teils nicht mehr durchgeführt werden. (Links: www.jugendeinewelt.at