Ordensfrau nach israelischen Angriffen: "Ganz Beirut brennt"
09.04.202617:03
Libanon/Krieg/Hilfsorganisation/Flüchtlinge
Projektpartnerin von "Jugend Eine Welt" berichtet von panikartigen Zuständen in libanesischer Hauptstadt trotz Waffenruhe zwischen USA und Iran
Beirut, 09.04.2026 (KAP) Nach schweren israelischen Luftangriffen im Libanon am Mittwoch herrschen laut Angaben der Ordensfrau Lina Abou Naoum dramatische Zustände in der Hauptstadt Beirut. "Es gab gestern massive Angriffe, viele fanden gleichzeitig statt. Beirut wurde dabei stark getroffen", schilderte die Projektpartnerin der österreichischen Hilfsorganisation "Jugend Eine Welt" am Donnerstag. Zeitweise habe es gewirkt, "dass ganz Beirut gebrannt hat". Die Menschen hätten große Angst: "Niemand traut sich mehr auf die Straße, geschweige denn in die Arbeit zu gehen."
Auch die von ihr geleitete Don-Bosco-Schule in Kahalé nahe Beirut sei aus Sicherheitsgründen geschlossen worden. Gleichzeitig würden dort Flüchtlingsfamilien aufgenommen. Besonders dringend sei die Versorgung mit Treibstoff: "Wir benötigen dringend Diesel, um die Generatoren für die Stromversorgung betreiben zu können. Ohne Strom haben wir kein Licht, können nicht kochen und die notleidenden Menschen versorgen." Die ohnehin arme Bevölkerung stehe vor existenziellen Fragen: "Ich weiß selbst nicht mehr, wie sie nun weitermachen und weiterleben sollen."
Die Angriffswelle vom Mittwoch war eine der heftigsten seit Beginn der jüngsten Eskalation. Innerhalb von zehn Minuten wurden mehr als 100 Ziele in Beirut und im Süden des Landes getroffen, bestätigte die israelische Armee. Die Operation, die Medienberichten zufolge unter dem Codenamen "Ewige Dunkelheit" lief, richtete sich nach Militärangaben gegen die Infrastruktur der Hisbollah, traf jedoch auch dicht besiedelte Gebiete. Anders als sonst üblich gab es im Vorfeld keine Aufrufe an die Zivilbevölkerung, Schutz zu suchen, was vielerorts zu Panik führte.
Die gleichzeitigen Angriffe forderten nach Angaben der libanesischen Zivilschutzbehörde mindestens 254 Tote und 1.165 Verletzte, darunter im Zentrum von Beirut 92 Tote und 742 Verletzte, im südlichen Vorort von Beirut 61 Tote und 200 Verletzte, in der im Osten gelegenen Stadt Baalbek/Hermel 27 Tote und 34 Verletzte, in Nabatieh 28 Tote und 59 Verletzte, in Sidon 12 Tote und 56 Verletzte sowie und in Tyros 17 Tote und 68 Verletzte. Der Donnerstag war zum nationalen Trauertag "für die Opfer der israelischen Angriffe" erklärt worden. Behörden und öffentlichen Einrichtungen sowie Gemeindeverwaltungen blieben geschlossen, die Flaggen wurden auf Halbmast gesetzt.
Die Angriffe erfolgten trotz einer zwischen den USA und dem Iran kurz davor vereinbarten Waffenruhe, die jedoch nach israelischer Darstellung nicht für den Libanon gilt. International wächst der Druck auf alle Konfliktparteien, die vereinbarte Waffenruhe auszuweiten, da andernfalls eine weitere Eskalation des Konflikts im Nahen Osten droht.
Auch das internationale katholische Hilfswerk Kirche in Not warnte vor einer dramatischen Zuspitzung der Lage, insbesondere für die Zivilbevölkerung im Süden des Landes, unter ihnen viele Christen. Viele dieser Gemeinden lebten in grenznahen Dörfern ohne ausreichende Schutzmöglichkeiten, jeder neue Angriff verschärfe die Unsicherheit und zwinge weitere Familien zur Flucht.