Berichte über Spannungen zwischen Washington und dem Vatikan
10.04.202615:07
Vatikan/USA/Papst/Diplomatie/Konflikte
Beide Seiten dementieren Druck und Drohungen - Von Kathpress-Rom-Korrespondent Ludwig Ring-Eifel
Vatikanstadt/Washington, 10.04.2026 (KAP) Das Treffen zwischen dem US-Staatssekretär für Verteidigungspolitik, Elbridge Colby, und dem damaligen Apostolischen Nuntius in den USA, Kardinal Christophe Pierre, vom 22. Jänner im Pentagon hat international hohe Wellen geschlagen. Einige Medien spekulierten, in dem Gespräch habe es Druck seitens der US-Regierung gegen den Vatikan gegeben. Indirekt sollen Donald Trumps Leute sogar gedroht haben, sie könnten wie einst Frankreichs Könige im Mittelalter die Päpste mit Gewalt auf ihren Kurs zwingen. Vorbild wäre das Zwangsexil der Päpste in Avignon im 14. Jahrhundert.
Inzwischen wurde das ungewöhnliche Treffen im Pentagon von beiden Seiten bestätigt, die Kolportagen über Verlauf, Tonfall und Inhalte aber klar dementiert. Washington und der Vatikan sind bemüht, Berichte über angebliche heftige Auseinandersetzungen zu entkräften. Die US-Botschaft beim Heiligen Stuhl sprach von einer "herzlichen Begegnung" und einem "respektvollen Dialog". Etwas weniger euphorisch blieb der Vatikan: "Ein Meinungsaustausch über Themen von wechselseitigem Interesse" sei das gewesen.
Die von der US-Seite nachträglich veröffentlichten Fotos von dem Treffen zeigen lächelnde Vertreter des Vatikans und des Pentagons. Und einen herzlichen Händedruck zwischen dem 46 Jahre jungen, smarten - und übrigens katholischen - Colby und dem 34 Jahre älteren Diplomatie-Veteran Pierre.
Fast wie in den guten alten Zeiten
Ginge es nach diesen Bildern, könnte das Treffen als Revival der alten Allianz zwischen den konservativen US-Machteliten und der katholischen Kirche gelesen werden. Sie wurde einst durch den gemeinsamen Antikommunismus zusammengeschweißt. Damals, in den 1970er Jahren, war Colbys ebenfalls katholischer Großvater William im Vietnamkrieg Ostasienleiter des CIA und nach dem Krieg Gesamtdirektor der US-Geheimdienste.
Sein Vorgänger auf diesem Posten war der bekennende Katholik Vernon Walters, später Verbindungsmann von Präsident Reagan zu Johannes Paul II. Walters war eine wichtige Stütze im Kampf des polnischen Papstes gegen die Kommunisten in Osteuropa, bevor er als US-Botschafter in Bonn die deutsche Wiedervereinigung mit ermöglichte.
Spannungen nicht erst seit Trump
Dass die Beziehungen zwischen Washington und dem Vatikan heute weniger harmonisch sind, hat nicht nur mit Trump und seinem rabaukenhaften Politikstil zu tun. Schon unter Präsident Barack Obama gab es Spannungen. Erst im Pontifikat von Benedikt XVI. (20025-2013), gegen dessen anti-liberale Agenda es im damals tonangebenden Lager in Washington vernehmbares Grummeln und in der CIA sogar Überlegungen zu einem "Regime-Change" im Vatikan gab. Als der dann in Person von Papst Franziskus eingetreten war, gab es jedoch abermals Spannungen - etwa, als es um Obamas Drohungen eines amerikanischen Eingreifens im Syrienkrieg ging.
Aber noch nie waren die Spannungen zwischen der größten militärischen Macht der Erde und der Zentralregierung der weltgrößten Religionsgemeinschaft so greifbar wie zurzeit. Immer wieder äußert sich Leo XIV. zu Themen, die mit Trumps Politik zu tun haben - erst zum Vorgehen der Einwanderungspolizei ICE, dann zum Eingreifen in Venezuela und neuerdings ungewohnt deutlich auch zum Krieg gegen den Iran.
An der polemischen Interpretation dieser Äußerungen haben einige inoffizielle "Leo-Flüsterer" erheblichen Anteil. Sie legen fast jede Äußerung des US-amerikanischen Papstes so aus, dass sie als Frontalangriff gegen Trump und seine Politik gelesen werden kann.
Parteiische Lesart der Papstworte
Der demokratische Aktivist Christopher Hale mit seinen "Letters from Leo" (Untertitel "The American Pope & US Politics") ist eine dieser Stimmen. Er geht mit seiner parteiisch-politischen Lesart Leos so weit, dass selbst ein klar progressiv positionierter Vatikan-Funktionär wie der Jesuit Antonio Spadaro inzwischen Stoppsignale sendet.
Als bei Hale und anderen Berichte über die angeblich massive Konfrontation im Pentagon auftauchten, betonte Spadaro, man dürfe den Papst nicht als "Widerpart" zu irgendjemandem verstehen. Er sei vielmehr eine Instanz, die klare Prinzipien vertritt und sich als Gesprächspartner für alle Seiten anbietet. In Zeiten, in denen die Trump'sche Zuspitzung des Freund-Feinddenkens auf beiden Seiten des politischen Spektrums verfängt, wird es jedoch immer schwieriger, einer solchen Position Gehör zu verschaffen.