Bischöfe in Rom zur Wahl eines neuen Oberhaupts der Chaldäisch-katholischen Kirche zusammengetroffen - Papst Leo XIV. hebt bei Audienz Bedeutung der Wahl hervor und kritisiert einmal mehr mit deutlichen Worten Krieg im Nahen Osten
Vatikanstadt, 10.04.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat am Freitag die 16 Bischöfe der Chaldäisch-katholischen Kirche in Audienz empfangen, die gerade in Rom ihren neuen Patriarchen wählen. In seiner Ansprache an die Bischöfe hob der Papst die Bedeutung der anstehenden Wahl des neuen Patriarchen von Bagdad hervor, wie das Portal "VaticanNews" am Freitag berichtete.
Der Papst würdigte die Chaldäische Kirche als Vertreterin einer apostolischen Tradition, die das Evangelium einst bis nach Indien und China getragen habe. Er verwies jedoch auch auf die schweren Prüfungen durch Kriege und Verfolgungen, welche die Gemeinschaft gezeichnet und zur Zerstreuung vieler Gläubiger in der Diaspora geführt haben. "Wenn Ihre Kirche die Narben der Geschichte trägt, so ist es der auferstandene Herr, der uns zeigt, wie die schmerzhaftesten Wunden zu Zeichen der Hoffnung werden können", so der Papst.
Mit Blick auf die baldige Wahl des Nachfolgers von Kardinal Louis Raphaël Sako formulierte Leo XIV. ein klares Profil für das künftige Oberhaupt. Der neue Patriarch solle ein "Vater im Glauben" und ein Zeichen der Gemeinschaft sein. Er mahnte die Bischöfe, sich bei der Wahl nicht von weltlicher Nützlichkeit, sondern vom Evangelium leiten zu lassen. Das Amt sei als Dienst und nicht als "Hegemonie" zu verstehen. Zudem forderte er Transparenz in der Vermögensverwaltung sowie Besonnenheit in der öffentlichen Kommunikation und im Umgang mit sozialen Medien.
Ein zentraler Teil der päpstlichen Ansprache widmete sich der aktuellen Lage im Nahen Osten. Leo XIV. forderte, dass Christen in der Region nicht als "Gäste oder Bürger zweiter Klasse", sondern mit voller Religionsfreiheit und Gleichberechtigung behandelt werden müssten. Er verurteilte die "Blasphemie des Krieges" und kritisierte die Priorisierung wirtschaftlicher Interessen vor dem Schutz menschlichen Lebens.
"Kein Interesse kann das Leben der Schwächsten, der Kinder und der Familien wert sein; keine Sache kann vergossenes unschuldiges Blut rechtfertigen", betonte der Papst. Er rief die Bischöfe dazu auf, klar zu verkünden, dass Gott keinen Konflikt segne. Militärische Maßnahmen könnten keine Freiheit schaffen; dies gelinge nur durch die Förderung des Dialogs und des Zusammenlebens.
Leo XIV. dankte den Bischöfen für ihren Dienst unter schwierigen Bedingungen und sicherte ihnen die Unterstützung durch das Dikasterium für die orientalischen Kirchen zu. Die Synode findet hinter verschlossenen Türen statt; das Ergebnis der Wahl wird nach der Bestätigung durch den Vatikan bekannt gegeben.
Zweidrittelmehrheit für Wahl nötig
Die Wahl des neuen Patriarchen ist notwendig, nachdem Papst Leo XIV. am 10. März das Rücktrittsgesuch von Patriarch Louis Raphael Sako (77) angenommen hat. Sako nimmt an der Synode (Versammlung) zur Wahl des neuen Kirchenoberhaupts nicht teil. Die Bischöfe beraten und wählen in einem Kloster in Rom.
Für die erfolgreiche Wahl ist eine Zweidrittelmehrheit nötig. Können sich die Bischöfe auch nach 15 Tagen auf keinen gemeinsamen Kandidaten einigen, muss die Angelegenheit an den Papst übergeben werden, der über das weitere Prozedere entscheidet. Der Papst muss auch die Wahl des neuen Patriarchen bestätigen.
Von Beobachtern wurden als aussichtsreiche Kandidaten etwa der Erzbischof von Erbil, Bashar Warda, der im Patriarchat in Bagdad wirkende Bischof
Basil Yaldo oder der Erzbischof von Sydney, Emil Shimoun Nona, genannt; von manchen auch der der Erzbischof von Teheran, Imad Khoshaba Gargees. Das für die katholischen Ostkirchen zur Anwendung kommende Kirchenrecht schreibt nicht zwingend vor, dass der neue Patriarch zum Zeitpunkt der Wahl bereits Bischof sein muss.
Die Chaldäisch-katholische Kirche ist ab dem 16. Jahrhundert aus der Assyrischen Kirche des Ostens hervorgegangen. In der Kirche wird der ostsyrische Ritus verwendet. Liturgiesprache ist grundsätzlich Syrisch (Aramäisch), oft aber auch in Kombination mit Arabisch. Wegen der Union mit der römisch-katholischen Kirche haben auch lateinische Elemente Eingang in die Liturgie gefunden.