Film "Grünes Licht" stößt Debatte über Suizidhilfe an
12.04.202610:51
Österreich/Sterbehilfe/Medizin/Ethik/Film
Experten warnen bei Wiener Podiumsdiskussion vor Normalisierung - weitere Diskussionsabende geplant
Wien, 12.04.2026 (KAP) Der Kinofilm "Grünes Licht" des Regisseurs Pavel Cuzuioc hat in Wien eine intensive Debatte über den assistierten Suizid ausgelöst. Im Stadtkino diskutierten am Donnerstagabend Vertreter aus Medizin, Ethik, Recht und Seelsorge über Selbstbestimmung, gesellschaftliche Verantwortung und mögliche Risiken einer zunehmenden Akzeptanz der Suizidhilfe.
Der Film begleitet einen deutschen Neuropsychiater, der Menschen an der Schnittstelle von Medizin und Recht auf ihrem Weg zum assistierten Suizid unterstützt. Im Unterschied zu Österreich kann in Deutschland der Gutachter auch ausführender Arzt sein. Im Film wird die Frage aufgeworfen, wer "grünes Licht" für den Tod gibt - und unter welchen Bedingungen. Trotz der Schwere des Themas setzt der Film auch auf humorvolle Momente und vermeidet einfache Antworten.
In der anschließenden Diskussion verwies die Lebensschutzbeauftragte der Erzdiözese Wien, Nicole Meissner, auf die vielfältigen Ursachen von Suizidwünschen, die von Einsamkeit bis zu schweren Erkrankungen reichen. Ihr Fokus liege auf dem "Leben davor": Betroffene müssten stärker unterstützt werden, damit der assistierte Suizid gar nicht erst zur Option werde. Sie sprach sich ausdrücklich gegen eine gesellschaftliche Normalisierung aus. Meissner schilderte aus ihrer täglichen Arbeit in der St. Elisabeth-Stiftung mit misshandelten und traumatisierten Müttern und ihren Kindern, die dringen Psychotherapie benötigen.
Der Ethikberater Michael Halmich betonte hingegen, dass es sich beim assistierten Suizid weiterhin um ein "absolutes Minderheitenprogramm" handle, verwies jedoch auf eine bevorstehende Gesetzesnovelle. Patientenombudsmann Thomas Holzgruber unterstrich, dass Ärztinnen und Ärzte nicht verpflichtet seien, Suizidhilfe zu leisten; derzeit gebe es nur rund 30 Personen in Österreich, die dazu bereit seien. Diese diesbezügliche Liste sei jedoch aus Schutz für die Personen nicht öffentlich einsehbar.
Besonders eindrücklich schilderte der Medizinethiker Rainer Thell einen Fall aus Kanada, bei dem ein nach schwerem Unfall im Rollstuhl befindlicher Patient von seiner Krankenversicherung auf die Möglichkeit des assistierten Suizids hingewiesen wurde, um dem Gesundheitssystem nicht zur Last zu fallen. Dies sei ein Beispiel für mögliche gesellschaftliche Fehlentwicklungen, vor denen die Diskutierenden warnten.
Einigkeit bestand darüber, dass es eines Ausbaus der Hospiz- und Palliativversorgung bedarf. Zugleich wurde betont, dass Filme wie "Grünes Licht" eine wichtige Grundlage für eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung bieten.
Weitere Diskussionsabende sind bereits geplant: Am 16. April steht im Stadtkino ein Gespräch zu Krisenbewältigung und Suizidprävention auf dem Programm, am 23. April folgt eine weitere Vorführung im Admiralkino, bei der auch Regisseur Cuzuioc anwesend sein wird.