58-jähriger ehemaliger Erzbischof von Mossul bei Synode der Chaldäer in Rom zum Nachfolger von Patriarch Sako gewählt
Rom, 12.04.2026 (KAP) Amel Shamon Nona (58), Erzbischof von Australien und Neuseeland, ist neues Oberhaupt der chaldäischen Kirche, der größten christlichen Gemeinschaft im Irak. Er wurde zum Nachfolger des seit 2013 amtierenden Patriarchen Kardinal Louis Raphaël Sako (77) gewählt und nahm den Namen Paul III. an, wie die mit Rom unierte katholische Kirche am Sonntag mitteilte. Er sei bekannt für seinen unermüdlichen Einsatz im Dienst für Gott, den Glauben und die chaldäischen Christen, hieß es. "Wir freuen uns sehr über seine Wahl und hoffen auf seine weitere Führung der Kirche."
Nonas Wahl erfolgte während der Synode der Chaldäer in Rom. Er wurde 1967 im nordirakischen Alqosh geboren, studierte Theologie unter anderem an der Päpstlichen Lateranuniversität und erhielt die Priesterweihe 1991 in Bagdad zum Priester geweiht. Nach pastoralen Aufgaben in seiner Heimatdiözese promovierte er 2005 und wirkte als Dozent und Professor für Anthropologie am Babel College sowie in leitenden Funktionen innerhalb der chaldäischen Kirche.
Internationale Bekanntheit erlangte Nona als Erzbischof von Mosul (2010-2015), wo er die dramatische Vertreibung der Christen durch die Terrormiliz Islamischer Staat miterlebte und 2014 selbst ins Exil gezwungen wurde. Später leitete er von 2015 bis 2026 die chaldäische Erzdiözese in Sydney. In seinen Ämtern setzte er sich wiederholt für die verfolgten Christen im Nahen Osten ein und prägte mit eindringlichen Stellungnahmen zur Lage in der Region die internationale Debatte.
Kirche mit Narben
Bei einer Audienz am Freitag hatte Papst Leo XIV. die aus dem Irak stammenden Christen zu einem kirchlichen Neuanfang ermutigt. Er würdigte die Chaldäer als eine Kirche, die "Narben der Geschichte trägt". Er erinnerte an Kriege und Verfolgungen, durch die sie gezeichnet sei und die zur Verteilung vieler Gläubiger in der Diaspora im Ausland geführt haben.
Mit Blick auf die anstehende Wahl eines Nachfolgers von Patriarch Sako erklärte Leo XIV., das neue Oberhaupt solle ein Vater im Glauben und ein Zeichen der Gemeinschaft sein. Ausdrücklich forderte er Transparenz in der Vermögensverwaltung sowie Besonnenheit in der öffentlichen Kommunikation. Auf beiden Gebieten hatte es in der Vergangenheit erkennbare Mängel gegeben. Gleichwohl lobte der Papst die Verdienste des zurückgetretenen Patriarchen für seine Gemeinschaft.
Mit Blick auf die Lage in Nahost forderte Leo XIV. volle Religionsfreiheit und Gleichberechtigung für die christliche Minderheit. Krieg verurteilte er als Gotteslästerung. "Kein Interesse kann das Leben der Schwächsten, der Kinder und der Familien wert sein; keine Sache kann vergossenes unschuldiges Blut rechtfertigen", betonte der Papst.
Unierte Kirche mit Wurzeln bis ins erste Jahrhundert
Die chaldäisch-katholische Kirche ist eine mit Rom unierte Ostkirche. Ihre Wurzeln reichen bis ins erste Jahrhundert. Sie feiert eine eigene Form des Gottesdienstes, erkennt aber den Primat des Papstes an. Das Patriarchat hat seinen Sitz traditionell in Bagdad, der scheidende Patriarch Sako hielt sich jedoch oft im kurdischen Siedlungsgebiet im Norden des Iraks auf. Die meisten chaldäischen Christen leben heute außerhalb des Iraks, vor allem in Europa, Nordamerika und Australien.