Präsident des Katholischen Laienrats Österreichs kritisiert geplantes Dokument des Europarats und ortet menschenrechtswidrigen Eingriff in das Elternrecht auf religiöse Kindererziehung sowie unzulässige Vorbehalte gegen konfessionellen Religionsunterricht
Wien, 13.04.2026 (KAP) Der Katholische Laienrat Österreichs (KLRÖ) hat das Recht der Eltern zur religiösen Kindererziehung sowie den konfessionellen Religionsunterricht in der Schule bekräftigt und zugleich deren Infragestellung durch den Europarat zurückgewiesen. Das hat KLRÖ-Präsident Prof. Wolfgang Mazal am Montag gegenüber Kathpress betont. Anlass für seine Stellungnahme ist ein Dokument, das der Parlamentarischen Versammlung des Europarates zur Beschlussfassung am 21. April vorliegt und vom Laienrat kritisiert wird. So heißt es im geplanten Dokument unter anderem, dass religiöse Bildung bzw. Erziehung "objektiv und nicht konfessionell sein", und "keine Religion gegenüber einer anderen begünstigen" solle.
Für den an der Universität Wien lehrenden Rechtswissenschaftler steht der Entwurf im Widerspruch zu der vom Europarat selbst beschlossenen Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK). So sei in Artikel 8 der EMRK und im Ersten Zusatzprotokoll dazu klar festgehalten, dass das Recht zur religiösen Bildung/Erziehung grundsätzlich den Eltern zusteht. "In dieses kann die Parlamentarische Versammlung nicht eingreifen", betonte Mazal.
Auch stehe die Ablehnung konfessionellen Religionsunterrichts im Widerspruch zur EMRK, "weil im Rahmen der Religionsfreiheit (Art 9 EMRK) sowie der Meinungsfreiheit (Art 10 EMRK) ausdrücklich auch der Unterricht als Teil der Freiheitsrechte garantiert ist". Zudem sei es "inhaltlich nicht nachvollziehbar", Objektivität als Gegensatz zu Konfessionalität zu verstehen, weil religiöse Inhalte auch objektiv vermittelt werden können, wenn die Bildung/Erziehung konfessionsgebunden ist".
Grundsätzlich sei es begrüßenswert, wenn sich der Europarat der "Bekämpfung von Diskriminierung aufgrund der Religion und Schutz der Religions- oder Glaubensfreiheit in Europa" - so lautet der Titel des Dokuments - widme, so der KLRÖ-Präsident weiter. Der geplante Beschlusstext sei aber aus mehreren Gründen "verfehlt", hielt Mazal fest. Der KLRÖ fordere daher die Parlamentarische Versammlung des Europarates sowie die österreichischen Vertreterinnen und Vertreter in diesem Gremium und im Nationalrat auf, den Text grundlegend zu überarbeiten.
Konkrete Verbesserungsvorschläge
So sollte ein überarbeiteter Beschlusstext betonen, dass religiöse Bildung/Erziehung einen wichtigen Beitrag zu einer demokratischen Gesellschaft leistet. Auch gelte es im Text anzuerkennen, dass Religionsgemeinschaften eine große Verantwortung haben, sowohl in der Weitergabe ihres Glaubens als auch in der Vermittlung von Achtung und Respekt vor anderen Religionen und religiösen Überzeugungen. Schließlich sollte der Beschluss des Europarats dazu aufzufordern, "dass sowohl Eltern in ihrer Erziehung als auch jede Form des konfessionellen Religionsunterrichts andere Religionen und Weltanschauungen achten und dafür Sorge tragen sollen, dass die religiöse Bildung/Erziehung einen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben und gesellschaftlichem Zusammenhalt leistet", erklärte Mazal.
Abschließend betonte Mazal, dass religiöse Bildung grundsätzlich vom Prinzip getragen sein solle, andere Religionen und deren Angehörige nicht herabzusetzen oder zu diskriminieren. Mazal wörtlich: "Gerade für uns als Katholiken, die durch das Zweite Vatikanische Konzil geprägt sind, ist die Religionsfreiheit und damit auch die Freiheit zur Vermittlung religiöser Überzeugungen ein wesentlicher Ausfluss der Achtung der Würde eines jeden Menschen als Ebenbild Gottes, der sich allen Menschen ohne Unterschied liebend zuwendet."
Plattform
Der KLRÖ ist die österreichweite repräsentative Plattform der Gemeinschaften des organisierten Laienapostolats und besteht seit 1960. Das Netzwerk für unterschiedliche katholische Laienvereinigungen besteht aus fünf "Kurien", in denen u.a. die Katholische Aktion mit ihren Untergliederungen, die Arbeitsgemeinschaft katholischer Verbände, der Katholische Familienverband sowie Gruppierungen in großer Bandbreite von der "Arbeitsgemeinschaft der Säkularinstitute" bis zur Plattform "Wir sind Kirche" vertreten sind. Mazal steht seit 2021 an der Spitze des Laienrats.