Publikation "Soziale Sicherung, Arbeit und Teilhabe" zu notwendigen Maßnahmen in einer menschenfokussierten Arbeitsmarktpolitik in Österreich
Wien, 14.04.2026 (KAP) Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich sowie der digitale Wandel verstärken den Ruf nach einem bedingungslosen Grundeinkommen, das von Befürwortern als existenzsichernd und von Kritikern als arbeitsanreizmindernd bewertet wird. Im neuen Band "Soziale Sicherung, Arbeit und Teilhabe" der Buchreihe "Bedingungsloses Grundeinkommen in der Debatte" argumentieren Expertinnen und Experten für eine Jobgarantie und Grundeinkommen in Österreich. Bei der Buchpräsentation am Montag in Wien sprachen Herausgeber Karl Immervoll und der Wirtschafts- und Sozialpolitiker Lukas Lehner von "notwendigen komplementären Maßnahmen in einer menschenfokussierten Arbeitsmarktpolitik" in Österreich.
Die neue Publikation beschäftigt sich mit grundsätzlichen Fragen nach dem Menschenbild in der Grundeinkommensdebatte, der Funktion eines Grundeinkommens, dem Verhältnis von (Erwerbs-)Arbeit und Grundeinkommen sowie nach den Bedingungen des Einbaus eines bedingungslosen Grundeinkommens in das bestehende soziale Sicherungssystem. Dabei stehen jene Menschen im Fokus, die durch Jobgarantie und Grundeinkommen soziale Sicherung gewinnen: (langzeit-)arbeitslose Menschen.
Buchherausgeber und Autor Immervoll wies auf die Sackgasse hin, in der sich die österreichische Arbeitsmarktpolitik befinde, wenn sie akzeptiere, dass Menschen über Jahre hinweg in Arbeitslosigkeit bleiben. "Wenn mehr als 400.000 registrierte erwerbsarbeitslose Menschen auf etwa 75.000 verfügbare offene Stellen treffen, liegt es auf der Hand, dass die österreichische Arbeitsmarktpolitik mit herkömmlichen Bildungs- und Schulungsmaßnahmen das Ziel, möglichst viele Menschen in Beschäftigung zu bringen, augenscheinlich verfehlt."
Ein weiterer Wermutstropfen sei auch das Kaputtsparen sozialökonomischer Betriebe, die, wie Beispiele aus Nordeuropa zeigten, enormes Entwicklungspotenzial besitzen, "das in Österreich zum Großteil brach liegt". Es gelte, gemeinsam Grundeinkommen und Jobgarantie weiterzuentwickeln und dabei auf die Fähigkeiten und Notwendigkeiten der einzelnen (erwerbsarbeitslosen) Menschen einzugehen, so der Bundesseelsorger der Katholischen Arbeitnehmer:innenbewegung Österreich (KABÖ). Immervoll arbeitete 40 Jahre mit Erwerbsarbeitslosen und initiierte ein Grundeinkommensprojekt in Heidenreichstein.
Laut Lehner, Assistenzprofessor an der Universität Edinburgh, habe Österreich seit den 1990er-Jahren seine aktive Arbeitsmarktpolitik massiv ausgebaut, insbesondere bei den Qualifikations- und Weiterbildungsangeboten. Andere Maßnahmen zur direkten Beschäftigung benachteiligter Gruppen seien jedoch vernachlässigt worden. Laut einer Studie Lehners stoßen sowohl Jobgarantie als auch das Grundeinkommen auf breite Unterstützung (60-80 Prozent) unter langzeitarbeitslosen Menschen, wenn auch die Zustimmung zur Jobgarantie durchweg höher ausfällt. So steige die Bereitschaft, garantierte Jobs anzunehmen, besonders dann deutlich an, wenn die vorgesehenen Zahlungen knapp über dem durchschnittlichen Arbeitslosengeld liegen.
Autorinnen und Autoren des neu präsentierten Bandes sind neben Lehner und Immervoll die Theologin und Sozialethikerin an der Universität Innsbruck, Michaela Quast-Neulinger, die Ökonominnen Katharina Mader und Sophie Achleitner, die Solidarökonomie-Experten Markus Blümel und Andreas Exner von der Universität Graz sowie der Soziologe, Politikwissenschafter und Jurist Nikolaus Dimmel von der Universität Salzburg.
(Info zum Buch: Dimmel/Immervoll (Hg.) Soziale Sicherung, Arbeit und Teilhabe. Bruchlinien der Arbeitswelt und Arbeitsgesellschaft. ISBN: 978-3-902724-97-7, pro mente edition, 2025/2026 - Anm.: 2025/2026 je nach Erscheinungsdatum)