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"Alles andere als betulich-katholisch": 120 Jahre Erika Mitterer

15.04.2026 14:30
(zuletzt bearbeitet am 15.04.2026 um 21:06 Uhr)
Österreich/Literatur/Kirche/Kultur/Politik/Krieg/Friedensgespräche
Mitterer-Gesellschaft ehrt Wiener Autorin als Stimme des Friedens: Internationale Konferenz, Lesung aus ihrem Briefwechsel mit Rilke, Gedenksteinenthüllung u. v. a.
Wien, 15.04.2026 (KAP) Nicht vielen ist die österreichische Literatin Erika Mitterer bekannt. Doch die Zahl der Menschen, die sie kennenlernen sollten, werde täglich größer, erklärte Nachlassverwalter Christoph Gstaltmeyr im Kathpress-Interview anlässlich ihres 120. Geburtstags. Ihre Auseinandersetzung mit Machtpolitik, ihr Blick darauf, wie Hass in der Welt entsteht, und ihre Haltung, dem Kriegsgeschrei Friedensgespräche entgegenzusetzen, machten die Autorin hochaktuell. In den kommenden Wochen rückt die Erika Mitterer Gesellschaft die 1965 von der evangelischen Konfession zum Katholizismus konvertierte Wiener Autorin und ihren Appell für den Frieden mit mehreren Veranstaltungen ins Rampenlicht, kündigte Geschäftsführer Gstaltmeyr an.

"O hör die Stimme, welche warnend spricht: Mit Bösem tilgest du das Böse nicht", schrieb Mitterer in ihrem Gedicht "An Österreich" (1945). In ihrem Hauptwerk "Der Fürst der Welt", erstmals erschienen 1940 in Deutschland, zeigt die Autorin psychologisch genau, wie das Böse sich schleichend durchsetzt; es gilt darum "als verdeckter Widerstand gegen den Nationalsozialismus", erklärte der Literaturwissenschaftler, Universitätsprofessor und Präsident der Erika Mitterer Gesellschaft Wynfrid Kriegleder im Interview mit Kathpress.

"Alles andere als betulich-katholisch"

Ihre beständige Auseinandersetzung mit der NS-Zeit, Machtpolitik und der Verdrängung von Traumata in der Nachkriegszeit hält ihre Literatur auch heute noch aktuell. Ihre Werke hätten aber nicht nur eine humanistische politische Botschaft, betonte Kriegleder. In ihren Gedichten, Romanen und Theaterstücken habe sich Mitterer auch immer wieder mit existenziellen religiösen Fragen und mit "Frauenfragen" auseinandergesetzt. "Ihre Protagonistinnen suchen einen Weg zwischen Selbstbestimmung und den Zwängen der Gesellschaft, in der sie leben müssen."

Obwohl Erika Mitterer einem vorkonziliaren Katholizismus zugeschrieben wird und gerade wegen seiner festen Dogmen konvertierte, sei Mitterer darum "alles andere als eine betulich-katholische Autorin" gewesen, so Kriegleder. "Ihre Themen sind bis heute aktuell und greifen gesellschaftliche Probleme ohne Scheu vor Tabus auf." In ihrer 1933 erschienenen, autobiografisch gefärbten Erzählung "Höhensonne" schrieb Mitterer etwa über die Erlebnisse einer jungen Jugendfürsorgerin in einem Tiroler Dorf - über ungewollte Schwangerschaften, familiäre Gewalt und von der Kirche beförderten Aberglauben.

Internationale Konferenz

Die vom 6. bis 8. Mai in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur (1010 Wien, Herrengasse 5) stattfindende internationale Konferenz "Erika Mitterer und die (internationale) christlich-katholische Literatur von der Jahrhundertwende bis in die 1950er Jahre" wolle ihr Werk in einen weltliterarischen Zusammenhang stellen, sagte Kriegleder. "Denn das lange vorherrschende Urteil, katholische Literatur und moderne Schreibweise seien unvereinbar, ist zwar aufgrund der literarischen Praxis mancher als 'katholisch' gefeierter Autoren und Autorinnen vor allem in Österreich nachvollziehbar; es ist aber einfach unrichtig." Präsentiert wird dort auch eine "Zeitkapsel" aus Mitterers Nachlass durch Nikola Herweg vom Deutschen Literaturarchiv Marbach.

Am 16. Mai, von 16 bis 19 Uhr, widmet sich die Veranstaltung "Wo aber ist Kain?" mit einem Impulsreferat des deutschen Autors und Kulturhistorikers Manfred Osten der Aktualität eines christlichen Humanismus (1010 Wien, Stephansplatz 3).

Briefwechsel mit Rilke

Schon am 25. April, 19 Uhr, werden Mijou Kovacs und Martin Ploderer Auszüge aus "Besitzlose Liebe", dem poetischen Briefwechsel zwischen Mitterer und Rainer Maria Rilke, im Stephanisaal (1010 Wien, Stephansplatz 3) lesen. Die Publikation gilt bis heute als Mitterers populärste Veröffentlichung. Alles begann mit einem Brief in Gedichtform, den sie am 25. Mai 1924 an Rilke schickte, der mit einem Gedicht reagierte. Der folgende Briefwechsel, mehr als 170 Gedichte Mitterers und etwa 50 Gedichte Rilkes, dauerte bis Oktober 1926. Später verarbeitete sie ihre Beziehung zu Rilke im 1951 erschienenen Roman "Die nackte Wahrheit", wie Kriegleder nahelegte.

Obwohl Mitterer mehrfach mit literarischen Preisen ausgezeichnet wurde, sei sie im Literaturbetrieb kaum wahrgenommen worden, berichtete Kriegleder. So erhielt sie u. a. den Preis der Stadt Wien für Dichtkunst (1948), das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (1975), die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold (1986), den Würdigungspreis der Republik Österreich (1994) und das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (1996).

Mitterer verstarb am 14. Oktober 2001 in Wien. Um Mitterers Nachwirkung kümmert sich die 2002 gegründete Erika Mitterer Gesellschaft. 2003 wurde in Wien der Erika-Mitterer-Weg nach ihr benannt, 2005 wurde an ihrem ehemaligen Wohnhaus, Rainergasse 4, eine Gedenktafel angebracht. Am 15. August wird im Dichterhain Zammelsberg in Kärnten ein Gedenkstein für Mitterer enthüllt.

(Infos: https://www.erika-mitterer.org/)
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