Laut jährlicher Online-Erhebung vertrauten nur 29 Prozent den Religionsgemeinschaften - 15 Prozent besuchen regelmäßig Gottesdienste
Wien, 15.04.2026 (KAP) Die heute 16- bis 25-Jährigen in Österreich pflegen ein distanziertes Verhältnis zu institutionalisierter Religion, halten aber an privaten Traditionen und klassischen Lebensentwürfen fest. Das geht aus der Ö3-Jugendstudie 2026 hervor. Nur 29 Prozent der Befragten geben an, Religionsgemeinschaften zu vertrauen (6 Prozent "sehr", 23 Prozent "ziemlich"), während 71 Prozent wenig bis gar kein Vertrauen zeigen. Dennoch gehört der regelmäßige Gottesdienstbesuch für 15 Prozent der Jugendlichen zum Lifestyle, und klassische Familienwerte stehen hoch im Kurs: Zwei Drittel der jungen Generation (66 Prozent) sehen sich in ihrer Zukunft verheiratet, und ebenso viele (65 Prozent) wünschen sich Kinder.
Grundlage der Jugendstudie ist eine Online-Befragung, an der zwischen 2. März und 29. März 19.508 junge Menschen teilgenommen haben, rund 13.500 davon in der Kernzielgruppe zwischen 16 und 25 Jahren. Das Projekt des ORF-Radiosenders Hitradio Ö3 wurde von ORF Public Value und wissenschaftlich vom Sozialforschungsinstitut Foresight unterstützt.
Die Online-Erhebung mit 71 Fragen zeige eine Generation, die trotz multipler Krisen eine hohe individuelle Lebenszufriedenheit aufweist, hieß es in einer offiziellen Auswertung. 87 Prozent der Jugendlichen sind mit ihrem Leben insgesamt zufrieden. Dieses Wohlbefinden stützt sich vor allem auf das private Umfeld: 90 Prozent geben an, eine Gemeinschaft aus Familie und Freunden zu haben, in der man füreinander da ist.
Finanzielle Sorgen und soziale Spaltung
Das Vertrauen in die Wissenschaft (84 Prozent) und die Justiz (61 Prozent) ist deutlich höher als jenes in die Politik (18 Prozent) oder die Kirche. Die Sorgenliste der Jugendlichen wird von ökonomischen Ängsten angeführt: 40 Prozent sorgen sich um "genug Geld", gefolgt von leistbaren Wohnungen (31 Prozent) und sozialen Unruhen (27 Prozent). Auch die soziale Spaltung wird massiv wahrgenommen: 75 Prozent der Befragten geben an, die Spaltung der Gesellschaft auch im direkten Umfeld zu spüren. In der globalen Perspektive macht die allgemeine Situation (Klima, Krisen, Armut) 59 Prozent der Jugendlichen Angst. Die österreichische Neutralität wird dabei von 81 Prozent als Friedensgarant befürwortet.
Traditionelle Werte und moderner Lifestyle
Einblicke liefert die Studie zum Thema Geschlechterrollen. Zwar empfinden 60 Prozent die Gleichberechtigung in Österreich als noch nicht erreicht, doch beim Blick in die Zukunft herrscht Optimismus: 59 Prozent glauben, dass Männer und Frauen in zehn Jahren Hausarbeit und Kindererziehung "halbe-halbe" aufteilen werden. Im Bereich Lifestyle zeigt sich ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit: 78 Prozent ist es wichtig, woher ihre Lebensmittel kommen. Gleichzeitig ist die Digitalisierung allgegenwärtig: Die durchschnittliche Screentime liegt bei über fünf Stunden pro Tag, und 63 Prozent fühlen sich manchmal "online-süchtig".
Für die berufliche Zukunft ist der "GenZ" vor allem ein sicherer Arbeitsplatz "sehr wichtig" (74 Prozent), gefolgt von einem guten Team (72 Prozent) und einer sinnvollen Tätigkeit (70 Prozent). Homeoffice (29 Prozent) oder die Vier-Tage-Woche (24 Prozent) werden zwar geschätzt, rangieren in der Prioritätenliste aber deutlich hinter der sozialen Sicherheit.