Kameruner haben große Erwartungen an Papst Leo XIV.
15.04.202614:56
Kamerun/Papst/Diplomatie
Kirchenoberhaupt ist auf dem Weg nach Kamerun, der zweiten Station seiner Afrikareise
Douala/Bamenda, 15.04.2026 (KAP/KNA) Der Besuch von Papst Leo XIV. in Kamerun kann nach Ansicht verschiedener Beobachter den Weg zu einem friedlicheren Miteinander ebnen. "Im hohen Norden führt Boko Haram Krieg gegen die Bevölkerung", sagte Léon Yanda, Direktor von Codas Caritas, einer Partnerorganisation des kirchlichen Hilfswerks Misereor, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA; Mittwoch). Er verwies auch auf die Krise im englischsprachigen Teil des zentralafrikanischen Landes, wo nach UN-Angaben knapp 500.000 Menschen vertrieben wurden. Durch den Besuch des Papstes könnte nun ein Dialog entstehen, so Yanda.
"Es liegt eine tiefe Hoffnung in der Luft", sagte auch die Ordensfrau Hedwig Vinyo, die sich in der anglophonen Nordwestregion um Binnenvertriebene kümmert. Sie setze darauf, dass der Papst mit einer Botschaft der Versöhnung die Herzen berühre und der Besuch von Leo Anstoß werde für eine Zukunft, "in der Frieden und Gerechtigkeit nicht nur Worte bleiben, sondern für alle Menschen gelebte Wirklichkeit", so die Projektpartnerin der Päpstlichen Missionswerke (Missio) Österreich.
Kamerun, in dem Präsident Paul Biya seit 1982 regiert, erlebte zahlreiche politische Krisen, zuletzt während der Präsidentschaftswahl im Oktober 2025, nach der der 93-jährige Biya zum Sieger erklärt wurde. Rund um die Wahl wurden Hunderte Menschen verhaftet. Die Hoffnung sei, so Codas-Caritas-Direktor Yanda, dass möglicherweise im Rahmen der Papstreise politisch Gefangene aus der Haft entlassen werden.
Besonderer Besuch in Bamenda
Auch Andrew Nkea, Erzbischof von Bamenda und Vorsitzender der Kamerunischen Bischofskonferenz, bezeichnete den Besuch als "ein Zeichen der Solidarität und Hoffnung". Er hatte sich dafür eingesetzt, dass Leo am Donnerstag auch den von schweren Konflikten gezeichneten englischsprachigen Landesteil besucht. Die Krise dort gehört seit Jahren in verschiedenen Ranglisten zu den besonders vernachlässigten und vergessenen Konflikten der Welt.
Die Bevölkerung kritisiert seit Jahrzehnten die Benachteiligung der Region. Die Krise eskalierte schließlich vor knapp zehn Jahren. Separatisten kämpfen gegen kamerunische Soldaten. Vor allem profitieren kriminelle Banden von der unübersichtlichen Lage und der mangelnden Sicherheit.
(Kathpress-Schwerpunkt mit allen Meldungen und Hintergrundberichten zur Afrika-Reise von Papst Leo abrufbar unter www.kathpress.at/papst-in-afrika)
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