Jubiläumsfeier am 24. April mit Bischof Glettler - Generaloberin Flad: Gründungsauftrag des Ordens über Jahrhunderte gleich geblieben, Gemeinschaft in Übergangsphase
Innsbruck, 15.04.2026 (KAP) Seit 200 Jahren gibt es die Barmherzigen Schwestern von Zams, und zum Jubiläum präsentiert sich die Gemeinschaft als Organisation im Übergang. "Wir stecken in einem Transformationsprozess", erklärte Generaloberin Sr. Barbara Flad im Interview mit Kathpress. Der Orden reagiere auf den wachsenden Bedarf im Bereich Pflege und Soziales einerseits und müsse zugleich "loslassen" angesichts einer kleiner werdenden Gemeinschaft und einer Weiterführung durch die Mitarbeitenden. Die Feier des Jubiläums am 24. April in Zams sei ein Moment der Vergewisserung über Auftrag und Zukunft.
Der Fokus der Zamser Barmherzigen Schwestern liegt laut Flad weiterhin beim ursprünglichen Auftrag zu Krankenpflege und Bildung, der sich über zwei Jahrhunderte ausgeweitet hat. "Unser Dienst geht kontinuierlich weiter, nur die konkreten Handlungsfelder haben sich verändert." Dazu zählen heute neben dem Krankenhaus St. Vinzenz-Zams und klassischen Angeboten der Alten- und Pflegeheime auch Wohnangebote für Menschen mit Behinderung, Projekte der psychischen Gesundheit und Gewaltprävention sowie Tirols erste Autismus-Wohngemeinschaft. Man wolle dort Innovationen setzen, "wo wir merken, da gibt es eine spezielle Not".
Die aktuelle Entwicklungsphase beschreibt Flad als Übergang von einer stark von Ordensschwestern getragenen Struktur hin zu einer Organisation mit überwiegend weltlichen Mitarbeitenden. "Wir werden noch weniger Schwestern werden", sagt sie mit Blick auf den demografischen Wandel. Bereits heute arbeiten rund 1.900 Mitarbeitende in den Einrichtungen, während die Ordensgemeinschaft selbst aus 84 Schwestern besteht.
Blick auf konkretes Gegenüber
Der Wandel zeigt sich besonders in der Führungs- und Organisationsstruktur. Entscheidungen des Tagesgeschäfts liegen zunehmend bei Fachkräften, während die Generaloberin stärker moderierend wirkt und auf die Sicherung der Werte achtet und einer Kultur, "in der der Mensch im Mittelpunkt steht, das konkrete Gegenüber". Diese Haltung sehe sie als einen wesentlichen Grund, warum Mitarbeitende bewusst in die Einrichtungen kämen; Pflegekräftemangel kenne man in Zams nicht.
Auch die Verbindung von moderner Medizin und Spiritualität wird im Krankenhaus St. Vinzenz nach Einschätzung der Generaloberin heute noch bewusster gelebt als früher. Spiritualität werde zunehmend als Teil des Menschseins verstanden und könne "einen wichtigen Beitrag zur Heilung leisten". Gerade in einer von Unsicherheit und Überforderung geprägten Zeit sei es entscheidend, auf einer klaren Wertebasis zu arbeiten und ein erkennbares Profil zu haben, so Sr. Flad. Menschen sollen in existenziellen Situationen umfassend begleitet werden und auch jenen "Halt" finden, der über das rein Körperliche hinausgeht.
Krankenpflege und Bildung
Die Geschichte des Ordens begann 1826 mit der staatlichen und kirchlichen Anerkennung in Zams. Mit dem Thema Bildung entwickelte sich aus der Krankenpflege schon früh ein zweiter Tätigkeitsfeld. Bereits wenige Jahre darauf wurden Lehrerinnen ausgebildet, später entstanden Schulen und Internate in mehreren Regionen. Heute umfasst das Netzwerk Einrichtungen in Tirol, Vorarlberg und Kärnten, darunter das Haus zum Guten Hirten in Hall, das Netzwerk St. Josef in Mils, Bildungsangebote wie die Katharina Lins Schulen, das St. Vinzenz Bildungszentrum für Gesundheitsberufe, das Jesuheim in Lochau. Ergänzt wird das Angebot durch Kinderbetreuung, Orte der Begegnung wie das Seminarhaus Elbigenalp und das Klostergut Kronburg sowie internationale Projekte bis nach Südtirol und Peru.
Jubiläumsfest mit Bischof Glettler
Das Jubiläum selbst wird am Freitag, 24. April mit einem Festgottesdienst mit Bischof Hermann Glettler eröffnet, gefolgt von einem Festakt im Mutterhaus. Ergänzend wird eine Ausstellung gezeigt, die prägende Persönlichkeiten der 200-jährigen Geschichte sichtbar macht, auch eine Festschrift wird präsentiert. Für Flad ist das Jubiläum kein Abschluss, sondern Teil eines langen Übergangsprozesses. Ziel sei es, Strukturen so weiterzuentwickeln, "dass der Grundgedanke weitergetragen werden kann". (Infos: www.mutterhaus-zams.at)