Deutliche Reaktion auf Worte von Vizepräsident Vance, der dem Papst zuletzt riet, bei Äußerungen über Fragen der Theologie "vorsichtig" zu sein - Leiter von bischöflicher Glaubenskommission erläutert auch Kirchenlehre zum sogenannten gerechten Krieg
Washington, 16.04.2026 (KAP) Die US-Bischofskonferenz (USCCB) hat in deutlichen Worten auf Aussagen von Vizepräsident James David Vance reagiert, der Papst Leo XIV. zuletzt wörtlich aufgefordert hatte, bei Äußerungen über Fragen der Theologie "vorsichtig" zu sein. Das Kirchenoberhaupt beziehe sich in seinen Äußerungen zu Frieden und Krieg sorgfältig die lange Tradition der kirchlichen Lehre vom gerechten Krieg ein, hielt Weihbischof James Massa, Leiter der bischöflichen Glaubenskommission, in einer vom USCCB-Sekretariat in Washington veröffentlichten Erklärung (Mittwoch) fest, und betonte: "Wenn Papst Leo als oberster Hirte der universellen Kirche spricht, äußert er nicht bloß Meinungen über Theologie, sondern verkündet das Evangelium und übt sein Amt als Stellvertreter Christi aus."
Massa nannte Vance nicht namentlich, dennoch ist klar, dass der US-Vizepräsident gemeint war. Dieser hatte zuvor bei einer Veranstaltung u. a. Worte des Papstes in Frage gestellt, wonach Gott keine Konflikte segne. "Wie kann man sagen, dass Gott niemals auf der Seite derjenigen steht, die das Schwert führen?", meinte Vance unter Verweis auf die Lehre vom gerechten Krieg. "So wie es wichtig ist, dass der Vizepräsident der Vereinigten Staaten vorsichtig ist, wenn er über Fragen der öffentlichen Politik spricht, ist es sehr wichtig, dass der Papst vorsichtig ist, wenn er über Fragen der Theologie spricht", setzte Vance hinzu. "Man muss sicherstellen, dass es in der Wahrheit verankert ist."
"Die Lehre der Kirche beharrt darauf, dass alle Menschen guten Willens für einen dauerhaften Frieden beten und sich dafür einsetzen müssen, während sie das Übel und die Ungerechtigkeiten vermeiden, die mit allen Kriegen einhergehen", betonte Weihbischof Massa. Der Papst beziehe sich in seinen Äußerungen ausdrücklich auf die lange Tradition der kirchlichen Lehre zum gerechten Krieg. Ein fester Grundsatz dieser sei, dass das Schwert nur "zur Selbstverteidigung, wenn alle Friedensbemühungen gescheitert sind" rechtmäßig ergriffen werden dürfe, erinnerte der Glaubenskommission-Vorsitzende unter Verweis auf den Katechismus der katholischen Kirche. In diesem Sinn habe sich auch der Papst am Palmsonntag mit seinem Statement geäußert: "Gott hört nicht auf die Gebete derer, die Krieg führen."
Expertin: Papst "ganz im Einklang mit katholischer Lehre und Völkerrecht"
Alle Äußerungen von Papst Leo zu den derzeit tobenden Kriegen stünden "voll und ganz im Einklang mit der katholischen Lehre und dem Völkerrecht", zitierte das US-Online-Portal "OSV News" am Mittwoch auch Mary Ellen O'Connell, Professorin an der Notre Dame Law School. Die Evangelien würden immer wieder auf die Friedensbotschaft Christi verweisen. "Um klarzustellen, dass der Verlust eines Menschenlebens durch Gewalt falsch ist, erklärte der heilige Augustinus, dass Selbstverteidigung gegen solche Gewalt zulässig ist", so O'Connell.
Vor dem Hintergrund des gerade im 20. Jahrhundert immer nachdrücklicher gewordenen "Nein" der Päpste zum Krieg verwies die Expertin auf die Enzyklika Fratelli tutti von Papst Franziskus aus dem Jahr 2020. "Darin bekräftigt er, dass Katholiken die 'Ungerechtigkeit des Krieges' verstehen. Es gibt keinen 'gerechten Krieg'. Es gibt nur Krieg, der von vornherein falsch ist, aber die Notwendigkeit der Selbstverteidigung eines Opfers hervorrufen kann."
Auch die UN-Charta folge diesen alten Regeln und verbiete jeglichen Rückgriff auf Krieg als erstes Mittel, so O'Connell weiter. Die beiden Ausnahmen von diesem Verbot seien die Selbstverteidigung und die Genehmigung durch den Sicherheitsrat. Selbstverteidigung dürfe "nur im Falle eines tatsächlichen bewaffneten Angriffs erfolgen und auch dann nur, wenn der Einsatz von Gegengewalt notwendig ist - das heißt, sie muss Aussicht auf Erfolg haben und das letzte Mittel sein", erklärte die Professorin der Notre Dame Law School. "Diese moralischen und rechtlichen Grundsätze wurden bei den Angriffen der USA auf Venezuela oder den Iran verletzt", sagte sie.
Vatikan-Leitartikler: "Nie wieder Krieg!"
Dass es aus Sicht des Lehramts angesichts der zerstörerischen Kraft moderner Waffen heute sehr schwierig geworden ist, wie in vergangenen Jahrhunderten überhaupt von der Möglichkeit eines "gerechten Krieges" zu sprechen, verdeutlichte unterdessen auch der für die inhaltliche Linie der Vatikanmedien verantwortlichen Direktor Andrea Tornielli in einem in mehreren Sprachen auf dem Vatikan-Nachrichtenportal "Vatican News" veröffentlichten Leitartikel. Die Päpste der jüngeren Geschichte seien "nach und nach zur Erkenntnis gelangt ist, dass die Möglichkeit eines 'gerechten Krieges' immer unwahrscheinlicher wird". Überlegungen hinsichtlich der Theologie der vergangenen Jahrhunderte und der möglichen Rechtfertigungen für einen Krieg "sehen ab von der Tatsache, dass Kriege mit Stöcken und Schwertern geführt wurden und nicht mit tödlichen Waffen und computergesteuerten Drohnen, als die Theologen der Vergangenheit über diese Themen schrieben", so Tornielli.
Kreig könne nicht mehr als Lösung betrachtet werden, "denn die Risiken werden wahrscheinlich immer den hypothetischen Nutzen, der ihm zugeschrieben wurde, überwiegen. Angesichts dieser Tatsache ist es heute sehr schwierig, sich auf die in vergangenen Jahrhunderten gereiften rationalen Kriterien zu stützen, um von einem eventuell gerechten Krieg zu sprechen. Nie wieder Krieg!", zitierte auch Tornielli aus der Franziskus-Enzyklika Fratelli tutti.
Leo XIV. habe den Frieden zu einem der zentralen Themen seines Pontifikats gemacht: "Angesichts des Wahnsinns der Eskalation des Krieges und der maßlosen Ausgaben für die Aufrüstung setzt er mit ebenso viel Realismus wie prophetischer Weitsicht den von seinen Vorgängern bereits eingeschlagenen Weg fort und fordert Frieden, Dialog und Verhandlungen."