Kirchliche Hilfsorganisation warnt vor wachsender Armut - Rat soll Gegenmaßnahmen anstoßen und Debatte stärken
Feldkirch, 16.04.2026 (KAP) Angesichts steigender Armutszahlen in Österreich und insbesondere in Vorarlberg fordert die Caritas Vorarlberg verstärkte Gegenmaßnahmen und setzt auf einen Bürgerat als neues Beteiligungsformat. Caritasdirektor Walter Schmolly warnt im "Vorarlberger KirchenBlatt" (Ausgabe 16. April) vor einer weiteren Verschärfung der Lage: "Es ist zu befürchten, dass die Armut sich weiter verschärfen wird, wenn nicht entschieden gegengesteuert wird." Trotz bestehender Hilfsangebote brauche es zusätzliche Initiativen. "Armut ist kein Schicksal, wir können und müssen etwas dagegen tun", so der Caritasdirektor und kündigte als konkreten Schritt die Initiative für einen Bürgerrat an. Ziel sei es, mit Bevölkerung, Fachleuten und Politik Lösungen für ein tragfähiges soziales Netz zu erarbeiten.
Für die Einsetzung eines solchen Rats - der Empfehlungen für politische Entscheidungen liefern soll - sind mindestens 1.000 Unterstützungserklärungen erforderlich. Diese sollen ab Mai gesammelt und im Sommer an das Land übergeben werden. Der Leiter der Caritas-Kommunikationsabteilung, Claudio Tedeschi sieht darin auch einen demokratiepolitischen Impuls: "Mitwirkung schafft Verbundenheit und ist Grundlage für eine stabile Solidargemeinschaft."
Hintergrund sind gestiegene Armutszahlen: Der Anteil von Menschen in manifester Armut in Österreich hat sich laut Caritas von 1,8 Prozent im Jahr 2021 auf 3,7 Prozent im Jahr 2024 erhöht. In Vorarlberg betrifft das laut Caritas zumindest 14.000 Menschen, die unter erheblichen materiellen Einschränkungen leben. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche. In der Beratungsstelle "Existenz & Wohnen" sei die Zahl der betroffenen Kinder binnen drei Jahren auf mehr als 2.300 gestiegen, ein Plus von 23 Prozent.
"Für die betroffenen Familien und Haushalte bedeutet Armut, dass sie mit großen Entbehrungen leben müssen. Für Kinder bedeutet es, dass sie um Chancen umfallen und oftmals ein Leben lang an den Folgen zu tragen haben", so Schmolly. Zugleich gefährde die Entwicklung auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Trotz Hilfe aus öffentlicher Hand sowie der Zivilgesellschaft brauche es - angesichts der hohen Armutszahlen und weil eine weitere Verschlechterung zu befürchten sei - dringend zusätzliches Engagement, um dieser Entwicklung entgegenzutreten, betonte der Caritasdirektor mit Verweis auf das in Vorarlberg bewährte Instrument des Bürgerrats. "Angesichts der vielen Herausforderungen erachten wir einen aktiven Dialog zu den Fragen, wie wir den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken können, für wichtig. Als Caritas wollen wir uns dafür aktiv engagieren", bekräftigte auch Tedeschi.