Wienerin organisiert Unterstützung für Vertriebene aus dem Südlibanon in armenischem Dorf
Wien, 16.04.2026 (KAP) Angesichts der sich zuspitzenden Lage im Libanon laufen Hilfsmaßnahmen für Binnenvertriebene im ostlibanesischen Ort Anjar - auch mit österreichischer Beteiligung. Die Wienerin Waltraud Torossian-Brigasky, die bereits seit Jahrzehnten mit dem Ort verbunden ist, organisiert Spendenprojekte zur Unterstützung der Betroffenen. Rund 1.000 Menschen aus den umkämpften südlichen Landesteilen haben in dem armenisch geprägten Ort Zuflucht gefunden. "Viele von ihnen haben alles verloren", berichtete Torossian-Brigasky am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress. Die von ihrer Initiative gesammelte Hilfe geht über lokale Strukturen direkt an die Betroffenen.
Anjar selbst ist historisch ein Ort der Flucht und des Überlebens. Gegründet wurde das Dorf von Armenierinnen und Armeniern, die den Völkermord im Osmanischen Reich 1915 überlebten, insbesondere aus der Region Musa Dagh. Nach ihrer Rettung durch die Franzosen und Zwischenstationen, etwa im ägyptischen Port Said, wurden sie im Libanon angesiedelt. Bis heute ist Anjar mehrheitlich armenisch geprägt und gilt als Symbol für Widerstandskraft und Neuanfang. Die aktuellen Entwicklungen machen den Ort erneut zu einem Zufluchtshafen.
Die neu angekommenen Familien stammen überwiegend aus bombardierten Gebieten im Süden des Landes. Viele hätten ihre Häuser innerhalb kürzester Zeit verlassen müssen, teils noch mit eigenen Fahrzeugen. Die Unterbringung erfolgt in Schulen, Gemeindeeinrichtungen und privaten Quartieren. Gleichzeitig führt dies zu massiven Einschränkungen im Bildungsbereich, da zahlreiche Schulgebäude derzeit als Notunterkünfte dienen und Unterricht vielfach nur eingeschränkt oder im Fernunterricht stattfinden kann.
Frauengruppe organisiert Versorgung
Die Versorgung der Geflüchteten in Anjar wird vor allem von einer lokal organisierten Frauengruppe getragen, die konfessionsübergreifend arbeitet. Vertreterinnen der katholischen, protestantischen und apostolisch-orthodoxen Gemeinden koordinieren gemeinsam mit Freiwilligen den Ankauf und die Verteilung von Hilfsgütern. "Es wird nach Listen verteilt, strukturiert und gerecht", berichtete Torossian-Brigasky. Lebensmittel, Hygieneartikel und Medikamente werden in der Region eingekauft, verpackt und anschließend gezielt ausgegeben. Unterstützt wird die Gruppe von lokalen Geistlichen sowie Gemeindemitgliedern, die Transport und Logistik übernehmen.
Alltag mit Drohnen
Währenddessen bleibt der Alltag im Libanon von anhaltender Unsicherheit geprägt. Drohnen seien in vielen Regionen ständig zu hören, berichtete Torossian-Brigasky unter Berufung auf ihre Kontakte vor Ort. Immer wieder komme es zu gezielten Angriffen: "Die Menschen leben in ständiger Gefahr. Sicherheit gibt es nicht." Zusätzlich verschärft sich die humanitäre Lage im gesamten Land weiter. Bereits seit Jahren lebt der Libanon mit einer hohen Zahl an Geflüchteten, insbesondere aus Syrien und Palästina.
Durch die jüngsten Bombardierungen im Süden sind derzeit mehr als 1,2 Millionen Menschen innerhalb des Landes zusätzlich auf der Flucht; viele von ihnen suchen Schutz im Norden oder in vergleichsweise sicheren Regionen wie der Bekaa-Ebene. Für ein Land mit rund sieben Millionen Einwohnern stellt diese neuerliche Belastung eine enorme Herausforderung dar. Gleichzeitig treiben Inflation und Wirtschaftskrise die Preise für Grundnahrungsmittel, Treibstoff und Medikamente weiter in die Höhe, während internationale Hilfsprogramme zunehmend gekürzt werden.
Bewährte Hilfsbrücke
Torossian-Brigasky engagiert sich seit Jahrzehnten in der humanitären Hilfe. Bereits in den 1980er-Jahren gründete sie eine kleine NGO, mit der sie unter anderem Bildungs- und Gesundheitsprojekte in entlegenen Regionen Pakistans sowie Hilfsaktionen nach dem Erdbeben in Armenien unterstützte. Ihr Ansatz basiert auf direkter Hilfe ohne große Verwaltungsstrukturen. "Wenn man im Kleinen arbeitet, kann man sehr effizient helfen", so die Helferin.
Auch im aktuellen Fall setzt sie auf dieses Modell. Die in Österreich gesammelten Spenden werden direkt an verlässliche Kontakte in Anjar überwiesen, wo über die konkrete Verwendung entschieden wird. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Unterstützung von Familien und Kindern. "Die Hilfe geht von Mensch zu Mensch", so Torossian-Brigasky. Spendeninfos: (MTCS, Mrs. Torossian's Community Support N.G.O., Raiffeisenbank NÖ-Wien AG, IBAN: AT24 3200 0000 1701 5876)