Romano Prodi: Trump verhält sich zum Papst wie einst Napoleon
16.04.202612:37
Italien/USA/Vatikan/Papst/Krieg/Leute/Politik
Früherer italienischer Regierungschef und EU-Kommissionspräsident: "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass heute noch das möglich wäre"
Rom, 16.04.2026 (KAP) Der frühere EU-Kommissionspräsident Romano Prodi hat Donald Trumps Kritik an Leo XIV. mit dem Verhalten von Napoleon gegenüber dem Papsttum vor rund 200 Jahren verglichen. In einem Interview des italienischen katholischen Fernsehsenders "TV2000" sagte Prodi am Mittwochabend: "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass heute noch das möglich wäre, was im Mittelalter oder zuletzt unter Napoleon geschah, nämlich, dass der Staat über die Kirche herrschen will."
Der französische Kaiser Napoleon Buonaparte hatte 1809 den damaligen Papst Pius VII. nach einem längeren Streit verhaften lassen; zuvor hatte der Papst Napoleon exkommuniziert. Der Kaiser hielt den Papst bis 1814 in Gefangenschaft.
"Verrückte und gefährliche Eitelkeit"
Prodi sieht in Trumps Attacken gegen den Papst eine ähnliche Haltung. Während Trumps verbalen Maßregelungen sonst meist ein bestimmtes Interesse verfolgten, gehe es diesmal bloß um eine "verrückte Eitelkeit", so der ehemalige Kommissionspräsident und italienische Regierungschef. Sie bestehe darin, jeder anderen Macht übergeordnet sein zu wollen.
Das geschehe in diesem Fall ohne ein politisches Interesse, es sei daher eine für Trump gefährliche Eitelkeit. Die Kritik von Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni an Trumps Äußerungen lobte Prodi. Sie habe das getan, was notwendig gewesen sei. Nun zahle sie einen politischen Preis dafür, weil Trump die ehemals gute Beziehung zu ihr abgebrochen habe.