Leo XIV. in Botschaft an nationales Treffen kirchlicher Beauftragten für Fälle sexuellen Missbrauchs: "Geschehenes Unheil nicht kleinreden"
Rom, 16.04.2026 (KAP) Papst Leo XIV. hat die katholische Kirche in Italien aufgefordert, bei der Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs die geschehenen Verbrechen anzuerkennen. Die Kirche müsse angesichts der Verletzungen der Opfer nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Heilung streben, so der Papst in einer am Donnerstag im Vatikan veröffentlichten Botschaft.
Anlass des Schreibens ist das zweite nationale Treffen aller kirchlichen Beauftragten für Fälle sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen und Schutzbefohlenen. Es findet von Freitag bis Sonntag (16. bis 18. April) in Rom statt.
"Geschehenes Unheil nicht kleinreden"
Der Papst betont in dem von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in seinem Auftrag unterzeichneten Brief, die Umkehr in der Kirche sei nur dann echt, wenn sie sich nicht vor dem Schmerz der Leidenden abschotte, sondern sich infrage stellen lasse. Weiter fordert er, sie dürfe das geschehene Unheil nicht kleinreden, sondern müsse es anerkennen.
Die Kirche dürfe sich nicht aus Angst vor Skandalen verschließen, so die Mahnung des Papstes. Vielmehr müsse sie "akzeptieren, dass sie die herausfordernden Wege der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Heilung gehen muss".
Bislang nur lückenhafte Aufarbeitung
Das Treffen in Rom findet unter Leitung des Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Matteo Zuppi statt. Die italienischen Bischöfe haben erst vor einigen Jahren mit der Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs in der Kirche begonnen. Thema waren bislang nur Fälle, die sich im 21. Jahrhundert ereignet haben.
Lediglich die Südtiroler Diözese Brixen-Bozen hat bislang eine umfassende Studie über Missbrauchsfälle im Zeitraum von 1964 bis 2023 vorgelegt. Eine Ombudsstelle für Missbrauchsbetroffene gibt es dort seit 2010. In anderen italienischen Diözesen kommt die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen vergleichsweise schleppend voran.