Kardinal Christoph Schönborn in wöchentliche Freitagskolumne: "In keinem anderen Teil der Welt gibt es so viel Freiheit und Rechtsstaatlichkeit wie in Europa"
Wien, 17.04.2026 (KAP) Ein geeintes Europa als zentrale Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit des Kontinents hat Kardinal Christoph Schönborn in seiner wöchentlichen Freitagskolumne in der Tageszeitung "Heute" betont. Europa könne "in der heutigen Welt nur gemeinsam Bestand haben", schreibt Schönborn. Hintergrund ist die jüngste Wahl in Ungarn, die der emeritierte Wiener Erzbischof als Signal einer mehrheitlichen Orientierung in Richtung Europa deutet. Europa sei zwar nicht perfekt, "die EU auch nicht. Aber in keinem anderen Teil der Welt gibt es so viel Freiheit und Rechtsstaatlichkeit wie in Europa."
Historisch sieht Schönborn die dominante Rolle Europas jedoch als beendet: "Es hat über lange Zeit die Welt weitgehend beherrscht. Das ist vorbei, und das ist gut so." Koloniale Machtverhältnisse gehörten der Vergangenheit an.
Zugleich stellt Schönborn die Frage, ob Europa trotz seiner Vielfalt jemals ein ähnlich starkes Zugehörigkeitsgefühl entwickeln könne wie die USA. "Ist Europa nicht zu vielfältig, um ein starkes Gefühl von Zugehörigkeit und Zusammengehörigkeit zu vermitteln?" Der Kardinal verweist auf seine eigene Biografie - "Ich bin in Tschechien geboren, fühle mich aber als Österreicher" - mit Wohnsitzen in mehreren europäischen Ländern und Bundesländern. "Ist deshalb Europa meine Heimat geworden?", so Schönborn, der gleichzeitig jegliche politische und geografische Zugehörigkeit relativiert: Eine endgültige "Heimat" sieht er in religiöser Perspektive nicht auf Erden. Aber: "Bis dahin bin ich froh, in Europa zu Hause zu sein."