Münsteraner Religionssoziologe Pollack in Linzer "KirchenZeitung": Suche nach "Halt in einer unübersichtlichen Welt" bleibt wichtiger Impuls, sich Religion zuzuwenden - Pollack ist Referent bei "Thomas-Akademie" am 23. April in der KU Linz
Linz, 17.04.2026 (KAP) Kirche bleibt auch unter verschärften säkularen Bedingungen - also einem weiter grassierenden Bedeutungsverlust von Kirche und Religion - als Begleiterin in kritischen Lebenssituationen gefragt: Das hat der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack im Interview mit der Linzer "KirchenZeitung" betont. Viele Menschen seien auf der Suche nach Sicherheit und Sinnstiftung und "Halt in einer unübersichtlichen Welt". Diese würden sie teils in der Politik, in Vorstellungen von Nation und in Patriotismen, aber auch in der Religion finden. Die Kirchen seien gut beraten, entsprechend "da zu sein, wenn Menschen Begleitung in kritischen Lebenssituationen benötigen". Zugleich müssten die Kirchen lernen, dass sie in diesen Situationen nurmehr ein Anbieter von mehreren sind, so Pollack.
Tatsächlich sei diese Erkenntnis des Rückgangs der eigenen sozialen Relevanz, der mit Säkularisierung bezeichnet wird, noch nicht überall gleichermaßen angekommen. "Es ist nicht so einfach damit zurechtzukommen", räumte der Religionssoziologe ein - mahnte aber zugleich: "Man muss Vorstellungen universeller Zuständigkeit zurückfahren und damit fertigwerden, dass man nicht mehr für das Leben der Menschen im Ganzen zuständig ist, sondern nur noch für bestimmte Aspekte im Kompetenzbereich von Kirche und Religion". Es wäre daher auch "fatal" den alten Anspruch weiter aufrecht zu erhalten. Wichtiger wäre die Begleitung von Menschen in kritischen Lebenssituationen: Hier mache Kirche "in vielerlei Hinsicht einen Unterschied", auch wenn die Gesellschaft im Ganzen nicht mehr auf Kirche und Religion angewiesen sei.
Phänomen der Erwachsenentaufen nicht überschätzen
Skeptisch bzw. abwartend zeigte sich Pollack im Blick auf die auch hierzulande mit Interesse beobachteten hohen Taufzahlen unter jungen Menschen in Frankreich. Diese waren zuletzt auf 18.000 gestiegen und dienen seither als Beleg, dass Säkularisierung nicht notwendigerweise zu einem Rückgang an religiöser Bindung führen muss. So verwies Pollack etwa darauf, dass es schon in früheren Jahren 4-6.000 Erwachsenentaufen pro Jahr in Frankreich gab - die Steigerung auf 18.000 bleibe angesichts von mehreren Millionen jungen Menschen in der Zielgruppe "unter der Ein-Prozent-Schwelle". Es handle sich daher um eine "absolute Minderheit" - und man dürfe das Phänomen "nicht überschätzen".
Am 23. April wird Pollak im Rahmen der "Thomas-Akademie" der Katholischen Privat-Universität Linz (KU Linz) zum Thema "Säkularisierung verstehen. Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft" referieren. Zuletzt ist von ihm das Buch "Große Versprechen. Die westliche Moderne in Zeiten der globalen Krise" erschienen. (Infos zur "Thomas-Akademie": www.ku-linz.at)