Katholischer Erzbischof Grünwidl und evangelische Bischöfin Richter unterzeichnen ökumenische Vereinbarung zur Gefängnisseelsorge in der Justizanstalt Wien-Josefstadt
Wien, 18.04.2026 (KAP) Katholische und evangelische Kirche werden in der Seelsorge für die Insassen und Insassinnen der Justizanstalt Wien-Josefstadt künftig stärker zusammenarbeiten. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten der katholische Wiener Erzbischof Josef Grünwidl, die evangelische Bischöfin Cornelia Richter sowie Gefangenen-Seelsorgerinnen und -Seelsorger beider Kirchen am Freitag bei einem Gottesdienst in der Anstaltskapelle im größten Gefängnis Österreichs. Dies berichtete die Erzdiözese Wien am Samstag auf ihrem Online-Portal.
Grund für den "ökumenischen Schulterschluss" sei die Erfahrung des Seelsorgeteams, "dass konfessionelle Fragen und Unterschiede nur selten von Bedeutung sind". Das ermutige die beiden Kirchen, "noch enger und besser zusammenzuarbeiten und so manche historisch gewachsene Differenz außer Acht zu lassen, zum Wohle derer, für die wir da sein wollen", heißt es in der ökumenischen Vereinbarung.
Künftig betreut ein ökumenisches Seelsorgeteam die Insassinnen und Insassen der Justizanstalt. Auch beide Kapellen im Gefängnis sollen gemeinsam als "sakrale Räume der Liturgie, der Spiritualität und Gemeinschaft gleichberechtigt" genutzt werden.
Insassen "ungeachtet ihrer Religionszugehörigkeit willkommen"
Die Insassinnen und Insassen seien "ungeachtet ihrer Religionszugehörigkeit herzlich willkommen" und könnten weiterhin "so sie oder er es wünscht, von einer Seelsorgerin/einem Seelsorger der eigenen Konfession betreut werden", hält das Dokument fest. Die Vereinbarung zwischen der katholischen und evangelischen Kirche sei der Anfang intensiverer Zusammenarbeit in der Gefängnisseelsorge.
Anstaltsseelsorger Jonathan Werner kündigte an, auch die Kooperation mit der orthodoxen und muslimischen Seelsorge intensivieren zu wollen. Er sei dankbar für das Miteinander der verschiedenen Konfessionen und Religionen in der Gefängnisseelsorge.
"Bei Gott gibt es Halt und Sicherheit"
An dem Gottesdienst nahmen auch Insassen der Justizanstalt teil. Bischöfin Richter ermutigte sie, auch in schwierigen Phasen auf Gott zu vertrauen: "Wenn es hart auf hart kommt, vertraue ich darauf, dass es bei Gott Halt und Sicherheit gibt." Das Vertrauen in Gott gebe Halt, "wenn es keinen Boden und keinen Halt mehr im Leben gibt".
Der Glaube sei der rote Faden in ihrem Leben, sagten sowohl Richter als auch Erzbischof Grünwidl beim Predigtgespräch während des Gottesdienstes. Grünwidl betonte auch die Pluralität in der Kirche und zwischen den Konfessionen. "Meine Kirche ist sehr bunt!", ,sagte der katholische Erzbischof. Vielfalt gehöre grundlegend zur Kirche. "Das Miteinander in der Verschiedenheit und mit der evangelischen und orthodoxen Kirche erlebe ich in Wien als sehr lebendig. Darauf können wir stolz sein. In der Buntheit und Unterschiedlichkeit der Religionen und Kulturen sind wir gemeinsam unterwegs", so Grünwidl.
Seelsorge im größten Gefängnis Österreichs
Die von den Wienerinnen und Wienern "Graues Haus" genannte Justizanstalt Wien-Josefstadt im achten Wiener Gemeindebezirk ist mit einer Fläche von mehr als 68.000 Quadratmetern und aktuell rund 1.200 Insassinnen und Insassen Österreichs größtes Gefängnis. Die Anstalt ist für den Vollzug von Freiheitsstrafen bis zu 18 Monaten zuständig.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gefängnisseelsorge unterstützen die Inhaftierten, feiern Gottesdienste mit ihnen und ermöglichen andere spirituelle Gruppen oder Einzelbegegnungen, so die Erzdiözese Wien.