Papst predigt Hoffnung in Angolas chinesischer Retortenstadt
19.04.202614:07
Angola/Papst/Konflikte/Kirche/Gesellschaft
Leo XIV. stärkt Hoffnung auf Versöhnung und Gerechtigkeit - Von Kathpress-Korrespondentin Severina Bartonitschek
Luanda/Kilamba, 19.04.2026 (KAP) Die Kulisse ist ungewöhnlich für eine Papstmesse: Ein riesiger Platz, der wie ein vorbereiteter Baugrund wirkt. Umgeben ist die Fläche, die bis zu 200.000 Menschen fassen soll, von mehrstöckigen Wohngebäuden und kleinen Reihenhäusern, die noch auf ihre Fertigstellung warten. Leo XIV. feierte am Sonntag seinen ersten großen Gottesdienst in Angola in Kilamba, einer mit Kapital und Ingenieuren aus der Volksrepublik China gebauten Retortenstadt.
Kilamba liegt rund 30 Kilometer von Luandas Zentrum entfernt, und war aufgrund der hohen Wohnpreise lange eine Geisterstadt. Doch dann, mit dem Angebot an günstigeren Sozialwohnungen, stieg die Zahl insbesondere von jungen Bewohnern an. Das Durchschnittsalter in Angola liegt bei gut 16 Jahren.
100.000 feiern Messe mit dem Papst
Papst Leo XIV. rief die Menschen vor dieser ungewöhnlichen Kulisse in seiner Predigt dazu auf, insbesondere für die jungen Menschen des Landes eine Zukunft der Hoffnung aufzubauen. Alte Spaltungen müssten überwunden werden, Hass und Gewalt verschwinden, die Plage der Korruption durch eine Kultur der Gerechtigkeit und des Teilens geheilt werden. "Brüder und Schwestern, heute gilt es, mit Hoffnung in die Zukunft zu blicken und die Hoffnung der Zukunft zu gestalten. Fürchtet euch nicht davor!"
Viele Messen in Luandas Pfarren waren an diesem Sonntag ausgefallen, damit die Katholiken an der Papstmesse teilnehmen konnten. Rund 40 Prozent der rund 38 Millionen Einwohner des Landes sind katholisch getauft, rund 100.000 Menschen kamen zu dem Gottesdienst mit Leo.
An die katholische Kirche in Angola richtete der Papst sich dann auch in seiner Predigt: "Die Geschichte eures Landes, die noch immer schweren Folgen, die ihr ertragen müsst, die sozialen und wirtschaftlichen Probleme sowie die verschiedenen Formen der Armut verlangen nach einer Kirche, die es versteht, euch auf eurem Weg zu begleiten und auf den Schrei ihrer Kinder zu hören."
Große Armut in Angola
Bis 1975 war Angola eine Kolonie Portugals. Auf die Unabhängigkeit folgte ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg, der erst 2002 nach mehreren erfolglosen Friedensmissionen beendet wurde.
Es war ein Stellvertreterkrieg in der Hochphase des Kalten Krieges. Die Sowjetunion und Kuba, die USA und Südafrika und andere Mächte mischten mit. Die Folgen bleiben spürbar. Das Land ist zwar reich an Rohstoffen wie Erdöl und Diamanten, trotzdem gilt die Hälfte der Einwohner als arm, lebt - statistisch gesehen - von weniger als 3,65 US-Dollar pro Tag. Auf dem Entwicklungsindex der Vereinten Nationen belegt das Land Platz 148 von 193.
Die aktuell wichtigsten Themen in Angola seien die Bekämpfung der Armut, die Förderung von Gesundheit und vor allem das Mitgefühl untereinander, lautet die Einschätzung von Monika. Die junge Frau aus Luanda ist zur Papstmesse nach Kilamba gekommen. "Der Papstbesuch bedeutet mir sehr viel. Die Anwesenheit Leos XIV. in Angola, der unser Land segnet - das brauchen wir dringend."
Hoffnung für die Jugend
Die angolanische Ordensfrau Josephina Veronica findet, wie der Papst, eine neue Hoffnung für die Jugend des Landes besonders wichtig. Die Versöhnung untereinander, das gegenseitige Verständnis innerhalb und außerhalb der Kirche, seien unerlässlich, um in Frieden und Gerechtigkeit zu leben.
"Angola braucht Bischöfe, Priester, Missionare, Ordensleute, Laien, die den Wunsch im Herzen tragen, ihr Leben zu teilen und einander zu schenken", sagte Leo XIV. in der Messe. Es gelte, "sich in gegenseitiger Liebe und Vergebung zu engagieren, Räume der Geschwisterlichkeit und des Friedens zu schaffen und Taten der Barmherzigkeit und Solidarität gegenüber den Bedürftigsten zu vollbringen".
Einige von ihnen dürfte er am Sonntagnachmittag treffen. Dann besucht er den bekannten Marien-Wallfahrtsort Muxima. Fast 300 Jahre lang wurden über den Fluss unterhalb der Wallfahrtskirche Sklaven zur Atlantikküste gebracht und von dort dann Richtung Amerika verschifft.