Kardinal auf "communio.de": Synodaler Prozess geht auch unter Leo XIV. weiter
- Erbe von Franziskus bei Leo "in guten Händen"
Rom/Freiburg, 20.04.2026 (KAP) Als einen "außergewöhnlichen und sympathischen" Papst hat Kardinal Walter Kasper den vor einem Jahr (21. April 2025) verstorbenen Papst Franziskus gewürdigt. Sein Pontifikat sei nicht nur stilbildend in der Art gewesen, wie er das Petrusamt bekleidete, sondern er setzte auch wichtige und bis heute fortwirkende Impulse für die Transformation der Kirche, schrieb Kasper in einem Gastbeitrag für das Portal "communio.de". Seine Grundthemen seien die Fürsorge für die Armen, Evangelisierung und Synodalität gewesen. Bei Papst Leo XIV. sei das Erbe von Papst Franziskus nun "in guten Händen": "Er führt es weiter, und er tut das in seiner Weise und völlig selbstverständlich mit seinen eigenen Akzenten", so Kasper.
Von Beginn an habe Franziskus allein schon durch die Namenswahl eine "Neuausrichtung des Papsttums" angezielt: "Keine auf sich selbst bezogene Kirche, sondern eine Kirche im missionarischen Aufbruch an die Peripherien, eine Kirche, welche den Schrei der Armen hört und in der Option für die Armen die Botschaft Jesu von der Barmherzigkeit Gottes verkündet und lebt, welche die Einheit der Kirche als Einheit in der Vielfalt versteht", so Kasper. Durch diese Öffnung habe Franziskus viele Erwartungen geweckt, jedoch auch Kritik ausgelöst. Man könne Franziskus jedoch nur dann recht verstehen, "wenn man beachtet, dass es ihm darum ging, Prozesse in Gang zu bringen, statt Räume und Positionen zu besetzen", erinnerte Kasper.
Synodaler Prozess geht auch unter Leo XIV. weiter
Als "kompletten Unsinn" bezeichnete der Kardinal in dem Kontext die Kritik, Franziskus habe in "Amoris laetitia" die Antwort auf die Frage nach dem Kommunionempfang für wiederverheiratet Geschiedene in einer Fußnote "versteckt": "Er hat die Tür für ein grundsätzliches Verständnis der Moral und der Pastoral im Horizont der Liebe und der Barmherzigkeit Gottes geöffnet. Dafür können wir ihm nur dankbar sein." Dies gelte auch für den Synodalen Prozess, der ab 2021 in zwei Bischofssynoden über Synodalität und 2024 in ein Abschlussdokument mündete.
Gewiss seien im Blick auf Synodalität "noch viele Fragen zu klären", wichtig sei, dass der begonnene Weg mit dem Tod von Papst Franziskus nicht zu Ende sei: "Das Ende der Bischofssynode bedeutet nicht das Ende des synodalen Prozesses. Sie war nur der Anfang eines Anfangs des synodalen Prozesses. Sein Nachfolger hat im Konsistorium der Kardinäle am 7.-8. Januar 2026 die Aufgabe aufgegriffen und will sie weiterführen."
Überhaupt gebe es ein "reiches Erbe" dieses Pontifikats, das es zu pflegen und weiterzutragen gelte - bei allen Schwächen, die auch Papst Franziskus gehabt habe. Manchen sei Franziskus "zu wenig ein großer Theologe" gewesen; manchen seien seine Entscheidungen zu sprunghaft gewesen. Dagegen verwies Kasper darauf, dass Glaube für Franziskus "kein System" gewesen sei, "sondern gut biblisch ein mitunter steiler und steiniger Weg auf der eschatologischen Pilgerreise der Kirche".
Franziskus war ein beständiger Mahner gegen den Krieg und für den Frieden - Auch ein Jahr nach seinem Tod am 21. April 2025 berühren seine Worte weiterhin Millionen und zeigen, wie stark sein Vermächtnis ist - Von Kathpress-Rom-Korrespondentin Severina Bartonitschek
Wiener Kardinal erinnert zum ersten Todestag von Franziskus an bleibende Impulse in der Hinwendung zu Armen, Migranten, Flüchtlingen und geschiedenen Wiederverheirateten sowie hinsichtlich Evangelisierung und Synodalität