Wilheringer Pilgerweg "Von der Donau bis zur Moldau" eröffnet
20.04.202612:26
Österreich/Kirche/Kultur/Sport/Glaube/Pilgern
132 Kilometer langer Weg mit spirituellen Impulsen reicht bis zum tschechischen Zisterzienerstift Hohenfurth
Linz, 20.04.2026 (KAP) Der neue Wilheringer Pilgerweg "Von der Donau bis zur Moldau" führt über 132 Kilometer durch zwölf Gemeinden im Bezirk Urfahr-Umgebung bis über die Grenze ins tschechische Südböhmen. Er verbindet dabei das Stift Wilhering mit seiner ehemaligen Tochtergründung, dem Stift Hohenfurth (Vyssi Brod) und mit allen Kirchen des Wilheringer Seelsorgeraums. Im besten Fall lädt der Weg mit Impulsen aus der zisterziensischen Spiritualität zum "Beten mit den Füßen" ein, wie der Wilheringer Abt Reinhold Dessl über das Projekt sagt. Die Pilgerroute sei nicht nur ein äußerlicher Weg, sondern auch eine "Reise nach innen", betonte Bischof Manfred Scheuer beim Eröffnungsgottesdienst in der Stiftskirche Wilhering am Sonntag.
Dass Pilgern nicht nur ein Modetrend sei, sondern dem Bedürfnis nach Sinnsuche und spiritueller Erfahrung entgegenkomme, betonten sowohl Dessl als auch Scheuer. Die "Reise nach innen" könne "empfänglicher machen für die Wunder der Schöpfung und den liebenden Urgrund des Lebens, den wir Gott nennen", so Dessl. Bewegung mache den Kopf freier und helfe dabei, "in uns zu gehen". In einer Welt voller Konfliktherde regte Dessl an, die Pilgererfahrung, den Weg ins Innere und die Überwindung von Grenzen auch nach außen zu tragen - als Symbol für eine Gesellschaft, die das Verbindende sucht.
Die Motivationen des "Gehens" seien unterschiedlich, bemerkte Scheuer. Neben sportlichem Ehrgeiz oder gesundheitlichen Motiven gebe es da noch die "Suche nach dem ureigenen Selbst". Das Gehen sei "eine Schule der Sehnsucht, mich nicht mit zu wenig zufrieden zu geben, die Ziele meines Lebens nicht zu niedrig anzusetzen und diese Ziele nicht aus den Augen zu verlieren", hielt der Bischof in seiner Predigt fest. Ein Weg mit einem Ziel gebe nicht nur Orientierung. Das Gehen wirke darüber hinaus persönlichkeitsbildend, gemeinschafts- und freundschaftsstiftend.
Nicht selten hingen Pilgerwege und Wallfahrten auch mit biographischen und existenziellen Übergängen und Brüchen zusammen. Davon zeugten die vielen Votivtafeln für Anliegen und Dank entlang der Wege. Im christlichen Raum gebe es "das Motiv der Wiedergutmachung einer eigenen Schuld, die Erfüllung eines Gelübdes anlässlich einer Gebetserhörung, die Hoffnung auf eine irgendwie geartete Belohnung für das 'gute Werk' der Pilgerfahrt, die Bitte um die Heilung einer Krankheit oder zumindest die Hilfe, sich mit diesem Schicksal geistig-geistlich zurechtfinden zu können".
Zisterziensische Spiritualität
Der Wilheringer Pilgerweg basiert auf der zisterziensischen Spiritualität und umfasst 15 Impulsstationen (die sogenannten "15 Gs" von "Gesegnet" bis "Gewandelt"). Laut Projektbeschreibung orientieren sich diese an den Lehren des hl. Benedikt von Nursia und des hl. Bernhard von Clairvaux. An den beteiligten Kirchen installierte Impulstafeln bieten mittels QR-Code Audio-Inhalte in den Sprachen Deutsch, Tschechisch und Englisch an. Zudem haben etwa fünfzehn Pilgerwegweiser eine Ausbildung absolviert, um die Pilger nach individuellen Bedürfnissen zu begleiten.
Die Pilgerinnen und Pilger haben die Möglichkeit, sich in einzelnen Pfarrhöfen ein Bett in einem Pilgerzimmer zu mieten. Wer den Weg lieber auf eigene Faust plant, findet in der neuen Begleitbroschüre "Der Wilheringer Weg" alle Details zu Etappen, Nächtigungsmöglichkeiten und Hintergrundinfos. Die Broschüre ist ab sofort unter www.wilheringerweg.at, im Mühlviertel Tourismus Büro Bad Leonfelden sowie im Stiftsshop des Stifts Wilhering erhältlich und liegt in Kirchen und Gemeindeämtern auf.
An der Entstehung des Pilgerweges waren zahlreiche Akteure gemeinsam beteiligt. Neben der Interreg-Förderung ermöglichten LEADER-Mittel aus vier Regionen (Urfahr West, Linz Land, Donau Böhmerwald, Sterngartl Gusental), die Zusammenarbeit mit den Tourismusverbänden Mühlviertel und Donauregion Oberösterreich, dem Stift Wilhering sowie zahlreichen Ehrenamtlichen die Umsetzung des Projekts. "Ein Team von 20 überwiegend ehrenamtlichen Personen hat mehr als drei Jahre am Wilheringer Pilgerwegprojekt intensiv gearbeitet. In unbezahlbar vielen Stunden wurde so ein beeindruckendes Projekt auf die Beine gestellt, das Länder und Menschen verbinden wird", würdigte Abt Dessl diesen Einsatz.