Folgen übermäßiger Bildschirmnutzung im Baby- und Kleinkindalter reichen laut Fachleuten von verzögerter Sprachentwicklung und eingeschränkter Interaktion bis hin zu Veränderungen im Gehirn
Wien, 20.04.2026 (KAP) Verpflichtende Elternbildung zum Thema Medienkonsum bei Babys und Kleinkindern fordert der Katholische Familienverband Wien angesichts der aktuellen Debatte zu diesem Thema. Der Verbandsvorsitzende Konrad Pleyer sprach sich in einer Aussendung vom Montag für Angebote wie etwa verbindliche Elternabende aus und richtete einen entsprechenden Appell an die Wiener Stadtregierung. Informationsmaterialien allein seien aus Sicht des Verbandes nicht ausreichend.
Hintergrund ist ein jüngster Medienbericht über mögliche negative Folgen übermäßiger Bildschirmnutzung bereits im frühen Kindesalter, etwa für Sprachentwicklung, soziale Interaktion und Bewegung.
Die Forderung nach verpflichtender Elternbildung erhebt der Katholische Familienverband - der selbst Programme dafür wie "Family Building" sowie regelmäßige Online-Elternabende anbietet - bereits seit vielen Jahren. Zugleich verweist der Verband auf Defizite in der Versorgung betroffener Kinder. "Eltern, die erkennen, dass ihr Kind Hilfe benötigt, dürfen nicht monatelang auf Unterstützung warten. Auch hier ist die öffentliche Hand gefordert, rasch ausreichende Therapieplätze bereitzustellen", betonte Pleyer.
Der Familienverband nahm dabei auf einem Bericht der Tageszeitung "Der Standard" (Samstag) Bezug. Darin werden anhand konkreter Fallbeispiele aus der Entwicklungsmedizin die zunehmenden Auswirkungen übermäßigen Bildschirmkonsums bei Kleinkindern beschrieben. So berichten Fachleute von Kindern, die kaum auf ihre Umwelt reagieren, wenig Interesse an Spiel oder sozialer Interaktion zeigen und stattdessen Verhaltensweisen aus der digitalen Nutzung nachahmen.
Besonders häufig wenden sich Eltern an Fachstellen, weil ihre Kinder kaum sprechen; laut Expertinnen fehlt es diesen Kindern oft an realer Kommunikation. Studien zufolge steigt bei mehr als zwei Stunden täglicher Bildschirmzeit das Risiko für Sprachentwicklungsstörungen deutlich, während gleichzeitig die Interaktion mit Bezugspersonen abnimmt. Auch langfristige Folgen wie Veränderungen im Gehirn werden genannt.
Zugleich verweist der Bericht auf strukturelle Probleme und wachsenden Informationsbedarf. Seit der Corona-Pandemie habe der Zugang zu Smartphones und Tablets bereits im Vorschulalter stark zugenommen. Es gebe derzeit lange Wartezeiten auf Diagnostik und Therapie, und viele Eltern seien überfordert und unsicher im Umgang mit ihren Kindern. - Internationale Empfehlungen raten, Kinder unter zwei Jahren ganz von Bildschirmen fernzuhalten und die Nutzung danach stark zu begrenzen.