Barcelonas Kardinal Omella wird 80 - Spekulationen um Nachfolge
20.04.202614:50
Spanien/Kirche/Leute/Kardinal/Omella/80
Erzbischof von Barcelona feiert seinen 80. Geburtstag wenige Wochen bevor Papst Leo die katalanische Metropole besuchen wird
Barcelona, 20.04.2026 (KAP/KNA) Kardinal Juan José Omella, Erzbischof von Barcelona, wird am Dienstag (21. April) 80 Jahre alt. Mit Erreichen dieser Altersgrenze scheidet der Spanier aus dem Kreis der Papstwähler aus. Damit sind noch 119 der 243 Kardinäle der Weltkirche in einem möglichen Konklave stimmberechtigt.
Die Zahl der potenziellen Papstwähler fällt so erstmals seit langem wieder unter die Zahl von 120, die Johannes Paul II. (1978-2005) einst als Obergrenze festgelegt hatte. Als einziger von Spaniens elf Kardinälen ist damit noch der Erzbischof von Madrid, José Cobo Cano, unter 80 und also zur Papstwahl berechtigt.
Papst Leo XIV. besucht von 6. bis 12. Juni Spanien. Dabei kommt er auch nach Barcelona. Für den 100. Todestag des Architekten Antonio Gaudí am 10. Juni ist dort die feierliche Einweihung des Jesus-Turms der Basilika Sagrada Familia, des höchsten Kirchturms der Welt, vorgesehen.
Beobachter gehen davon aus, dass der Papst seine Visite auch nutzen könnte, um Ausschau nach einem möglichen Omella-Nachfolger zu halten. Als einer der Kandidaten wird Pamplonas Erzbischof Florencio Roselló (64) gehandelt.
Wurzeln im Nordosten Spaniens
Kardinal Omellas Wurzeln liegen im Nordosten Spaniens. Geboren 1946 in Cretas in der Autonomen Region Aragón, studierte er Philosophie und Theologie in Saragossa, Louvain und Jerusalem. 1970 folgte die Priesterweihe. Bis zur Ernennung zum Weihbischof 1996 arbeitete er in seiner Heimatdiözese Saragossa und anschließend als Bischof kleinerer Diözesen im Grenzgebiet zu Frankreich.
Zum großen Aufstieg kam es unter Papst Franziskus (2013-2025): Der berief ihn 2015 zum Erzbischof Barcelonas, der zweitgrößten Stadt des Landes, und nahm ihn 2017 ins Kardinalskollegium auf. Als Mitglied des Kardinalsrates, eines wichtigen päpstlichen Beratergremiums, hatte er über Jahre großen Einfluss in der römischen Kurie. In seiner spanischen Heimat stand er überdies von 2020 bis 2024 an der Spitze der Bischofskonferenz. Aus Altersgründen trat er nicht für eine zweite Amtszeit als Vorsitzender an.
Mann des Ausgleichs
Omella gilt als Mann des Ausgleichs. Bei kontroversen gesellschaftlichen Themen - etwa beim Unabhängigkeitskampf Kataloniens - versuchte er stets zu vermitteln. Zugleich trieb er von Franziskus angestoßene kirchenpolitische Reformen voran, zum Beispiel in Sachen Missbrauchsprävention.
Der Dialog mit der sozialistischen Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez erwies sich indes als weitaus schwieriger als gedacht. Kardinal Omella musste trotz seiner entgegenkommenden Art etliche Niederlagen einstecken. Die schlagzeilenträchtigste war sicher die 2021 verabschiedete Legalisierung aktiver Sterbehilfe.