Israels Armee: Strafe für Soldaten nach Kreuzschändung im Libanon
22.04.202610:46
Libanon/Krieg/Hilfsorganisation
Zwei Soldaten in Militärhaft - Rabbiner und jüdische Persönlichkeiten verurteilen Tat als "abscheulichen Verrat an jüdischen Werten"
Jerusalem, 22.04.2026 (KAP/KNA) Nach der Kreuzschändung durch einen israelischen Soldaten im Süden des Libanon hat Israels Militär Strafen für die an der Tat beteiligten Armeemitglieder bekanntgegeben. Zwei Soldaten wurden laut Armee aus dem Kampfdienst entfernt und müssen für 30 Tage ins Militärgefängnis. Dies betrifft sowohl jenen Soldaten, der einer gestürzten Jesusfigur am Kreuz mit einer Axt auf den Kopf schlug als auch einen weiteren Soldaten, der die Tat im christlichen Dorf Debel im Südlibanon fotografiert hatte.
Weitere sechs Soldaten waren bei dem Vorfall anwesend und unternahmen nichts, um ihn zu verhindern oder zu melden, wie die Armee weiter mitteilte. Über mögliche Konsequenzen für sie werde nach klärenden Gesprächen zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. Ferner werde man den Truppen die Vorschriften zum Umgang mit religiösen Einrichtungen und Symbolen einschärfen. Das Verhalten der Soldaten sei "völlig von den Befehlen und Werten der israelischen Streitkräfte" abgewichen.
Ein Bild der Tat war am Sonntag in Sozialen Medien erschienen. Die israelische Armee bestätigte bald darauf die Echtheit des Fotos und kündigte eine Untersuchung an. Auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Außenminister Gideon Saar verurteilten die Tat und äußerten Bedauern. Die Tat "widerspricht vollkommen unseren Werten", so der Minister. "Wir entschuldigen uns für diesen Vorfall bei allen Christen, deren Gefühle dadurch verletzt wurden."
Die katholische Kirche in Israel hatte iin einer Stellungnahme am Montag von einer "schweren Beleidigung des christlichen Glaubens" gesprochen. Diese reihe sich ein in weitere gemeldete Vorfälle von Schändungen christlicher Symbole durch israelische Soldaten, so die Versammlung der katholischen Bischöfe des Heiligen Landes.
Jüdische Initiative beklagt Werteverrat
Mehrere Rabbiner und jüdische Persönlichkeiten nannten die Schändung des Kreuzes in einem offenen Brief einen "abscheulichen Verrat an jüdischen Werten", wie die Zeitung "Times of Israel" laut Katholischer Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag berichtete. Unterzeichnet wurde das Schreiben von rund 150 Personen, unter ihnen der bekannte britisch-israelische Rabbiner David Rosen.
Sie verurteilten die Tat als "Schändung des Namens Gottes" und baten Christen weltweit um Entschuldigung. Initiiert wurde der Brief von der pro-israelischen Gruppe "Israel365 Action", die sich für eine jüdisch-christliche Allianz einsetzt.
Humanitäre Hilfe erreicht Christendorf
Unterdessen wurde bekannt, dass dieser Tage erstmals seit Wochen humanitäre Hilfe das christliche Dorf Debel im Südlibanon erreicht hat. Der Ort war nach Angaben des christlichen Hilfswerks "Oeuvre de l'Orient" von Dienstag durch den Krieg zwischen Israel und der schiitischen Hisbollah von der Außenwelt abgeschnitten.
Die von dem Hilfswerk in Zusammenarbeit mit Caritas Libanon organisierte Hilfe soll laut Vincent Gelot, Landesdirektor von "Oeuvre de l'Orient", den rund 1.000 Dorfbewohnern zugutekommen. Der Zugang zu dem Dorf sei "sehr schwierig", die Bevölkerung könne den Ort nicht verlassen und brauche Unterstützung.