Priester der ukrainischen Gemeinde Karpliak: Reaktorexplosion vor 40 Jahren war "größte sozial-ökologische, menschengemachte Katastrophe der Geschichte" mit Folgen bis heute
Graz, 22.04.2026 (KAP) Vier Jahrzehnte nach der Tschernobyl-Katastrophe erinnert die ukrainische Gemeinde in der Diözese Graz-Seckau an die Opfer der Reaktorexplosion. Am 26. April ist in der Grazer Kirche Karlau nach der Liturgie um 13 Uhr ein Gebet für die Betroffenen geplant. Der ukrainische Priester Bohdan Karpliak sprach im Vorfeld von der "größten sozial-ökologischen, menschengemachten Katastrophe der Geschichte", deren Folgen bis heute nachwirken.
Die Explosion am 26. April 1986 im Kernkraftwerk Tschernobyl führte zu massiver radioaktiver Verseuchung weiter Teile Europas. Millionen Menschen litten unter den Konsequenzen, Hunderttausende mussten ihre Heimat verlassen. Karpliak verwies auch auf das anfängliche Verschweigen der Katastrophe durch die sowjetische Führung: Erst erhöhte Strahlenwerte im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark machten das Ausmaß international sichtbar.
Besonders hob der Priester die sogenannten "Liquidatoren" hervor, die unter Einsatz ihres Lebens die Ausbreitung der Strahlung eindämmten. "Mit besonderer Dankbarkeit und Hochachtung gedenken wir jener Menschen, die eine noch größere Katastrophe verhindert haben", so Karpliak. Neben den unmittelbaren Folgen hätten auch Angst und Unsicherheit tiefe Spuren hinterlassen: Aus Furcht vor Missbildungen sei es nach 1986 zu zahlreichen Schwangerschaftsabbrüchen gekommen.
Auch langfristig seien die Auswirkungen gravierend. Die Zahl von Krebserkrankungen sei gestiegen, große Landstriche blieben unbewohnbar. Die sogenannte Sperrzone rund um das Kraftwerk ist bis heute radioaktiv belastet. "Selbst vierzig Jahre nach der Tragödie erkennen wir nur einen Teil der weitreichenden Folgen", betonte Karpliak.
Die Katastrophe sei zugleich eine Mahnung, dass technischer Fortschritt nicht ohne ethische Orientierung erfolgen dürfe. "Wir tragen Verantwortung für das menschliche Leben und für die Erde", so der Priester. Mit dem Gedenken in Graz wolle man daher nicht nur an die Opfer erinnern, sondern auch ein Zeichen für Achtsamkeit und Solidarität setzen.