Uni Münster plant europaweit erste islamisch-theologische Fakultät
22.04.202613:52
Deutschland/Hochschule/Theologie/Islam
An der deutschen Universität soll zum Wintersemester 2026/27 die erste islamisch-theologische Fakultät an einer staatlichen Hochschule in Europa entstehen - Gründungsdekan wird der österreichische Theologe Mouhanad Khorchide
Münster, 22.04.2026 (KAP/KNA) Die deutsche Universität Münster will zum Wintersemester 2026/27 die nach eigenen Angaben europaweit erste islamisch-theologische Fakultät an einer staatlichen Hochschule gründen. Das bisherige Zentrum für Islamische Theologie soll damit organisatorisch den katholischen und evangelischen Fakultäten gleichgestellt werden. Das teilten Universitätsrektor Johannes Wessels und der künftige Dekan der neuen Fakultät, der österreichische Theologe Mouhanad Khorchide, am Mittwoch in Münster mit. Der neue Fachbereich soll zum 1. Oktober offiziell an den Start gehen und acht Professuren umfassen.
Mit dem Statuswechsel ist vor allem mehr Eigenständigkeit verbunden. Die Fakultät erhält unter anderem das Recht, eigenständig Promotionen und Habilitationen durchzuführen sowie über Berufungen und akademische Strukturen selbst zu entscheiden. Bislang waren solche Verfahren an andere Fachbereiche angebunden. Voraussetzung für die Gründung war nach Angaben der Universität der Aufbau einer ausreichenden personellen Ausstattung.
"Leuchtturm für weltoffenen Islam"
Khorchide bezeichnete die neue Fakultät als wichtiges Signal für Muslime in Deutschland und Europa. Sie ermögliche eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Islam auf Augenhöhe mit christlicher Theologie. Das Projekt sei ein "Leuchtturm für einen aufgeklärten, weltoffenen Islam". Zugleich solle die Einrichtung stärker in gesellschaftliche Debatten hineinwirken, etwa bei Fragen von Integration, Extremismusprävention oder religiöser Bildung, so der bisherige Direktor des Zentrums für Islamische Theologie.
Nach Darstellung der Universität gibt es islamische Theologie als Fach zwar bereits an mehreren Standorten in Deutschland. Eine eigenständige Fakultät an einer staatlichen Hochschule sei bislang aber weder in Deutschland noch an anderen öffentlichen Hochschulen in Europa gegründet worden. Wessels verwies auf eine Einrichtung in Sarajevo, die jedoch nicht an einer staatlichen Hochschule angesiedelt sei.
Beirat soll religiöse Legitimation sichern
Eine Besonderheit ist das sogenannte Beiratsmodell. Da es im Islam keine einheitliche institutionelle Vertretung wie die Kirchen gibt, übernimmt ein mit muslimischen Organisationen besetztes Gremium eine vergleichbare Rolle. Der Beirat ist unter anderem an Berufungen und Studieninhalten beteiligt und kann aus religiösen Gründen ein Vetorecht ausüben. Vertreten sind nach Universitätsangaben unter anderem die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib), der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland und der Zentralrat der Muslime in Deutschland.
Mehr als 450 Studenten
Khorchide zufolge ist das bisherige Zentrum für Islamische Theologie seit seiner Gründung 2012 stark gewachsen. Aus anfangs 13 Studenten und 3 Beschäftigten seien inzwischen mehr als 450 Studenten und rund 80 Mitarbeiter geworden. Die neue Fakultät soll zunächst weiter am bisherigen Standort am Domplatz arbeiten und später in den neuen "Campus der Theologien und Religionen" einziehen.