Bischof Freistetter nahm an interreligiöser Tagung der Kommission Weltreligionen über ambivalente Rolle der Religion in Kriegszeiten teil
Salzburg, 23.04.2026 (KAP) Auf die Einhaltung des Humanitären Völkerrechts und der Genfer Konvention in den aktuellen kriegerischen Konflikten hat Militärbischof Werner Freistetter gepocht. Heute werde viele zerstört, was seit dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut worden sei. Soldatinnen und Soldaten sollten sich heute hingegen als "Diener der Sicherheit und Freiheit der Völker" verstehen, erinnerte Freistetter an ein Wort aus dem Konzilsdokument "Gaudium et Spes" von 1965. "Diese Mahnung des Zweiten Vatikanischen Konzils ist ungebrochen gültig", sagte Freistetter zur Eröffnung der Jahrestagung der "Kommission Weltreligionen", die am 21./22. April in Salzburg unter dem Titel "Religionen, Krieg und Frieden" stattfand. Die Tagung hatte sich der Auslotung der ambivalenten Rolle der Religion in Kriegszeiten verschrieben.
Auf den Frieden-stiftenden Kern der Religionen und des interreligiösen Dialogs verwies bei der Tagung der Generalsekretär von Sant'Egidio, Cesare Zucconi. Gerade angesichts der hohen Komplexität der Konflikte sei der Dialog wichtig. Schließlich sei "hilfloses Schweigen" der Bevölkerung und auch ein "sich Abfinden mit dem Krieg" der falsche Weg. Dauerhafter Frieden sei durch Dialog mit allen Beteiligten möglich, erinnerte Zucconi etwa an die Tradition der Friedenstreffen von Assisi.
Interreligiöse Perspektiven auf Krieg und Frieden
Zu Wort kamen bei der Tagung außerdem Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Religionsgemeinschaften und Experten aus Wissenschaft und Praxis - darunter die Leiterin des Büros der Vereinten Nationen für Abrüstungsfragen, Rebecca Jovin. Abrüstung habe bei Deeskalation immer eine wichtige historische Rolle gespielt, wenngleich das Engagement auch vom Interesse der jeweiligen Generation abhänge. Es brauche Information, Empowerment, Bildung, Wissen und die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Akteuren wie Schulen, Religionen und Medien, betonte sie. Damit könne einer Kriegsrhetorik entgegengewirkt werden.
Der Grazer Religionswissenschaftler Franz Winter verwies auf die ambivalente Rolle der Religionen in Konflikten: "Religionen haben ihren Anteil an Gewalt in der Welt" - wobei man auch die Konjunkturzyklen der in der Öffentlichkeit Religionen zugeschriebenen Konflikthaftigkeit beachten müsse: Gab es in den 1970er- und 1980er-Jahren eine positive Kodierung des Schlagwortes "Rückkehr der Religion(en)", so wandelte sich diese in den 1990er- und anfänglichen 2000er-Jahren in eine Kodierung der Konflikthaftigkeit.
Im weiteren Verlauf wurden spezifische religiöse Zugänge thematisiert: Islamische Perspektiven präsentierten der Wiener Militärimam Kenan Corbic und der Hauptimam der Bosniakischen Kultusgemeinde Österreich, Senad Kusur. Corbic betonte, es gebe das falsche Narrativ des gewaltbereiten Islam, wobei es Regeln für den friedlichen Umgang miteinander im Islam gibt. Der dschihadistische Islam, in dem die Religion für Gewalt missbraucht wird, vertrete eine Minderheit - der Terror von "9/11" habe das Bild über den Islam nachhaltig negativ geprägt. Dagegen hielt Corbic fest: "Es gibt keinen heiligen Krieg im Islam."
Weitere jüdische, buddhistische und christliche Aspekte
Eine persönliche jüdische Wahrnehmung brachte die Landesrabbinerin in Sachsen Esther Jonas-Märtin ein: Das Gebot "du sollst nicht töten" begleite das Judentum, wobei es eine Ausnahme zur Selbstverteidigung seitens des Staates Israel zum Schutz des jüdischen Lebens gebe. Auch Jonas-Märtin mahnte die generelle Einhaltung des Humanitären Völkerrechts ein. "Jüdische Identitäten zu stärken ist das Beste, was ich tun kann für den Frieden in dieser Welt."
Beiträge zu buddhistischen Ansätzen kamen von Gerald Schinagl: Buddha habe die Gewaltlosigkeit gelehrt, er habe sich durch liebende Güte zur Wehr gesetzt. Aktuelle Beispiele aus buddhistisch geprägten Ländern zeugen von kriegerischen Auseinandersetzungen und Friedenspotenzial.
Weitere christliche Ansätze diskutierten der orthodoxe Wiener Theologe Ioan Moga und die Linzer Sozialethikerin Katja Winkler. Dabei verwies Winkler mit der Enyzklika "Pacem in terris" (1963) von Papst Johannes XXIII. auf Menschenrechte und die Anerkennung eines liberalen Verfassungsstaates als Grundpfeiler einer Friedensordnung. Moga plädierte für eine friedensorientierte Spiritualität und Friedenstheologie. Er orte eine "friedensethische Amnesie und Apathie", der es entgegenzuwirken gelte.
Ergänzt wurde das Programm durch einen "Marktplatz für Friedensinitiativen", bei dem Organisationen wie Sant' Egidio, Pax Christi Österreich, der Internationale Versöhnungsbund (IFOR), das Friedensbüro Salzburg, Likrat und die Militärseelsorge ihre Arbeit vorgestellt haben.
Die jährlich stattfindende Tagung wurde heuer veranstaltet in einer Kooperation von St. Virgil Salzburg und der "Kommission Weltreligionen" der Österreichischen Bischofskonferenz mit der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Edith Stein, der Privaten Hochschule Augustinum Graz und dem Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen der Universität Salzburg. Die nächste Tagung dieser Reihe ist für 7. April zum Thema "Religionen und Kunst" geplant. (Infos: www.kommissionweltreligionen.at)
Militärbischof Freistetter und Sant'Egidio-Generalsekretär bei Tagung der "Kommission Weltreligionen" am 21./22. April 2026 über "Religionen, Krieg und Frieden" im Salzburger Bildungshaus St. Virgil
Religionswissenschaftler, Universität Graz, bei Tagung der "Kommission Weltreligionen" am 21./22. April 2026 über "Religionen, Krieg und Frieden" im Salzburger Bildungshaus St. Virgil
Sant'Egidio-Generalsekretär bei Tagung der "Kommission Weltreligionen" am 21./22. April 2026 über "Religionen, Krieg und Frieden" im Salzburger Bildungshaus St. Virgil
Militärbischof von Österreich bei Tagung der "Kommission Weltreligionen" am 21./22. April 2026 über "Religionen, Krieg und Frieden" im Salzburger Bildungshaus St. Virgil
Militärdekan bei Tagung der "Kommission Weltreligionen" am 21./22. April 2026 über "Religionen, Krieg und Frieden" im Salzburger Bildungshaus St. Virgil
Wiener orthodoxer Theologe bei Tagung der "Kommission Weltreligionen" am 21./22. April 2026 über "Religionen, Krieg und Frieden" im Salzburger Bildungshaus St. Virgil