Deutscher Bischof Wilmer kritisiert Trump-Angriffe auf Papst
23.04.202611:41
Deutschland/Vatikan/USA/Kirche/Diplomatie
Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz: Leo XIV. "derart politisch von einer Seite belehren zu wollen, ist inakzeptabel" - Apostolischer Nuntius Eterovic bei Empfang in Berlin verabschiedet
Berlin, 23.04.2026 (KAP/KNA) Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, hat die Kritik von US-Präsident Donald Trump am Papst zurückgewiesen. "Papst Leo XIV. in diesen Tagen seiner Friedensmission von Algerien durch den afrikanischen Kontinent derart politisch von einer Seite belehren zu wollen, ist inakzeptabel", sagte Wilmer am Mittwochabend in Berlin. "Es bleibt zu hoffen, dass die Weltgemeinschaft das diplomatische und pastorale Wirken des Heiligen Vaters weiter in der Weise anerkennt, wie es angemessen ist, und nicht wie es von partikularen Interessen großer Mächte in Misskredit gebracht wird."
Wilmer hob in seiner Ansprache die Bedeutung der vatikanischen Diplomatie hervor. Sie sei eine Brücke zu Verständigung und Frieden. Er sei dankbar für die Friedensbemühungen des Papstes, "die wir auch durch andere Auffassungen aus Washington in keiner Weise gering schätzen".
Der Hildesheimer Bischof äußerte sich bei einem Empfang zur Verabschiedung von Nuntius Nikola Eterovic, der den Heiligen Stuhl seit 2013 als Botschafter in Deutschland vertreten hat. Mit 75 Jahren scheidet der Erzbischof altersbedingt aus dem diplomatischen Dienst aus. Sein Nachfolger in Berlin wird der niederländische Erzbischof Hubertus van Megen (64), der zuletzt Apostolischer Nuntius in Kenia war.
Einfühlsamer Diplomat
An Eterovic gewandt, sagte der Bischofskonferenz-Vorsitzende Wilmer bei dem Empfang: "Wir Deutsche sind nicht immer einfach und manchmal kann man über uns auch mit den Augen rollen. Aber Sie als Diplomat und Seelsorger haben in einer einfühlsamen Balance die Kirche in Deutschland genommen und begleitet, wie sie ist: vielfältig und fromm, politisch und theologisch versiert." Er sei Eterovic dankbar, dass er die deutsche Ortskirche respektiert habe, wie sie ist, "dass Sie uns begleitet haben, wo es notwendig war und dass Sie uns bis auf den heutigen Tag verbunden sind, was zeigt, dass wir doch einander verstanden haben".
Im Zuge des 2019 gestarteten Reformdialogs zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland, dem "Synodalen Weg", war Erzbischof Eterovic häufig Überbringer päpstlicher und vatikanischer Mahnungen, da der Vatikan dem Reformprojekt teils skeptisch bis ablehnend gegenüberstand.
Von Kroation in den Vatikan und die Welt
Der aus Kroatien stammende Eterovic gilt als einer der Spitzendiplomaten der römischen Kurie. Er wurde 1951 in Pucisca auf der Adriainsel Brac geboren, die damals noch zum sozialistischen Jugoslawien gehörte. Im Jahr 1977 zum Priester geweiht, absolvierte er die vatikanische Diplomatenakademie in Rom. Auslandseinsätze führten ihn ab 1980 nach Westafrika, nach Spanien und Nicaragua. Danach kehrte er in die Zentrale des vatikanischen Staatssekretariats in Rom zurück.
1999 ernannte Papst Johannes Paul II. ihn zum Erzbischof und Apostolischen Nuntius in der Ukraine. Ab 2004 war er Generalsekretär der Bischofssynode in Rom, bevor er im September 2013 zum Nuntius in Deutschland ernannt wurde.