Kardinal im Libanon: "Wir haben genug von Zerstörung und Kriegen"
23.04.202615:30
Libanon/Israel/Krieg/Kirche/Hisbollah
Maroniten-Patriarch Rai stärkt libanesischem Präsidenten Aoun den Rücken
Beirut, 23.04.2026 (KAP/KNA) Die aktuellen Verhandlungen des Libanon mit Israel über eine Verlängerung der Waffenruhe sind nach Worten des maronitischen Patriarchen Kardinal Bechara Rai kein Zugeständnis, sondern eine Notwendigkeit. Er stärkte bei einem Besuch im Präsidentenpalast dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun den Rücken.
Dieser hatte laut Berichten am Donnerstag betont, dass Verhandlungen mit Israel "kein Zeichen von Schwäche" seien, sondern ein Schritt zum Schutz der Rechte, der Souveränität und territorialen Integrität des Libanon. Rai erklärte die Diplomatie zum einzigen gangbaren Weg in dem Konflikt. "Wir haben genug von Zerstörung und Kriegen"; Verhandlungen basierten darauf, "die Würde und die Rechte aller Libanesen zu wahren", so Rai.
Das Oberhaupt der größten christlichen Konfession im Libanon betonte, der Präsident spreche nicht als maronitischer Christ, sondern im Namen aller Libanesen. Der Staat sei die einzige Autorität für das libanesische Volk und die Waffen der libanesischen Armee die einzigen legitimen Waffen im Land, so Rai.
Im Blick auf die weiterhin unter israelischer Kontrolle stehenden Gebiete im Südlibanon forderte das Kirchenoberhaupt eine Öffnung humanitärer Korridore, um alle Bedürftigen zu erreichen.
Die israelische Armee hatte zeitgleich mit dem Krieg gegen den Iran in den vergangenen Wochen auch den Süden des Libanons und die Hauptstadt Beirut angegriffen, um dort die schiitische Hisbollah zu bekämpfen. Die mit Teheran verbündete Terrormiliz wiederum beschoss den Norden Israels mit Raketen. Vor einer Woche begann eine auf zehn Tage befristete Waffenruhe.