Kirchenvertreter und Historiker diskutierten in Kremsmünster über Ursachen des Aufstands vor 400 Jahren - "Communale OÖ" richtet Fokus auf Mut
Linz, 24.04.2026 (KAP) Der oberösterreichische Bauernkrieg vor genau 400 Jahren steht im Fokus zahlreicher Veranstaltungen. Mit einem breit angelegten Kulturprogramm und dem Leitmotiv "Mut" widmet sich die "Communale Oberösterreich 2026" mit rund 130 Projekten an 27 Orten bis November dem Gedenken an die Geschehnisse von 1626. Die zentrale Ausstellung wird am 8. Mai im Schlossmuseum Linz eröffnet. Begleitend dazu hat sich bereits am 18. April ein Symposium im Stift Kremsmünster mit den historischen Hintergründen beschäftigt, berichtet die Linzer Kirchenzeitung (aktuelle Ausgabe). Religiöse Spannungen, soziale Missstände und Fremdherrschaft hätten den Konflikt maßgeblich ausgelöst, so der Tenor der Experten und Historiker.
Der Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer verwies auf das Spannungsfeld zwischen Glauben und politischer Ordnung und betonte, Macht müsse "unter das Maß der Gerechtigkeit und der Wahrheit" gestellt werden. Der evangelische Superintendent Gerold Lehner stellte Fragen nach Wahrheitsansprüchen, Freiheit und dem Umgang mit Differenzen in den Mittelpunkt.
Der Kirchenhistoriker Philipp Pilhofer zog Parallelen zum deutschen Bauernkrieg, während Diözesanarchiv-Direktor Gerhard Schwentner die Rolle der katholischen Kirche beleuchtete. Als unmittelbare Auslöser des Aufstands wurden die Rekatholisierung sowie die bayerische Fremdherrschaft genannt. Ziel der Bauern sei es gewesen, diese Herrschaft zu beenden und ihren Glauben zu bewahren. Auch soziale Faktoren wie Abgaben, Zwangsleistungen und wirtschaftliche Not hätten die Erhebung begünstigt.
Das Symposium im Stift Kremsmünster war eine Kooperation der katholischen und der evangelischen Kirche mit der "Communale", die historische Aufarbeitung mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen verbindet. "Im Zentrum steht die Frage, wie wir heute zusammenleben wollen, welcher Mut dafür nötig ist, Differenzen auszuhalten, Kooperationen zu wagen und Veränderungen zuzulassen", erklärt dazu dessen künstlerischem Leiter Martin Honzik auf der Website des Kulturprojekts.
Das Programm der "Communale" reicht von Volkskultur bis zeitgenössischer Kunst und wird dezentral an sogenannten Themen- und Impulsorten umgesetzt, darunter auch sogenannte "Mut-Orte", wie Gmunden, Ottensheim, Pram sowie Peuerbach. Weiter sind auch Veranstaltungen mit Blick auf Religion geplant, wie ein "LandLaut Forum - Ein qualitativer, diskursiver Abend zwischen Geschichte, Heimatforschung und Religion" am 19. Juni in Lembach im Mühlkreis. Die "Communale OÖ" wolle die Ereignisse von 1626 aus heutiger Perspektive neu befragen und künstlerisch vermitteln, hieß es. (Link: https://communale.at)