Georgien: Weichen für Patriarchenwahl werden gestellt
24.04.202609:24
Georgien/Kirche/Orthodoxie/Patriarchenwahl
Am 28. April werden vom Heiligen Synod der Georgischen Orthodoxen Kirche drei Kandidaten ausgewählt, die sich der Wahl zum neuen Kirchenoberhaupt stellen - Zeitpunkt der Wahl steht noch nicht fest, sie muss aber bis spätestens 17. Mai erfolgen
Tiflis, 24.04.2026 (KAP) Am Dienstag, 28. April, tritt der Heilige Synod der Georgischen Orthodoxen Kirche zusammen um die Liste der drei Kandidaten zu erstellen, aus der dann der neue Patriarch gewählt wird. Die Wahl ist notwendig, da das bisherige Kirchenoberhaupt Patriarch Ilia II. am 17. März verstorben ist.
Das Georgische Patriarchat hatte schon Ende März eindringlich dazu aufgerufen, die anstehende Patriarchen-Wahl nicht in den Medien zu diskutieren und sich auf die Entscheidung des Heiligen Synods zu verlassen. Die Wahl des Oberhaupts hänge nicht von Fernsehdebatten ab, sondern erfolge synodal, genau nach der Satzung der Kirche, hieß es in einer offiziellen Erklärung. Nichtsdestotrotz gingen die Spekulationen weiter. Laut Medienberichten soll auch die Georgische Regierung bereits ihren Wunschkandidaten genannt haben: Dieser Wunschkandidat ist der derzeitige Interimsleiter der Kirche, Metropolit Schio (Mujiri, 57). Schio gilt als regierungsfreundlich und eher prorussisch.
Favoriten für Dreierliste
Höchstwahrscheinlich wird Metropolit Schio laut Beobachtern in den Dreiervorschlag ("Triprosopon") aufgenommen, da dies auch der Wunsch des verstorbenen Patriarchen gewesen sein soll und er Berichten zufolge bereits die Zusage von 10 bis 12 Bischöfen erhalten hat. Bereits seit Ende 2017 bekleidet Metropolit Schio das Amt des Patriarchatsverwesers, als ihm wegen der schlechten Gesundheit Ilias dessen Befugnisse übertragen wurden. Shio gilt jedoch laut Medienberichten als nicht besonders beliebt, da er sich in den neun Jahren seiner Amtszeit als Stellvertreter mit der Hälfte der Heiligen Synode überworfen haben soll.
Es wird weiters erwartet, dass auch Metropolit Job (Akiashvili) (65) in das Triprosopon aufgenommen wird, da er offenbar die Unterstützung eines Teils der Hierarchie genießt. Er gilt als konservativer Hierarch, der Distanz zu Moskau wahrt, sich aber in Glaubensfragen energisch äußert.
Unter den weiteren gehandelten Namen befindet sich etwa auch Metropolit Daniel (Datuashvili, 70), eine eher unauffällige Persönlichkeit aber mit Unterstützung innerhalb der Synode. Fraglich ist beim ihm allerdings, ob er das Alterslimit für Kandidaten bereits überschritten hat.
Konzil fällt Entscheidung
Laut Wahlordnung ist der Verwalter des Patriarchenstuhls - also jetzt Metropolit Schio - verpflichtet, frühestens 40 Tage (ab dem 25. April) und spätestens zwei Monate nach dem Tod des Patriarchen ein erweitertes Kirchenkonzil einzuberufen. Vor dieser erweiterten Synode hält der Heilige Synod eine Sitzung ab, um Kandidaten auszuwählen. Diese Sitzung findet nun am 28. April statt. Jedes Mitglied des Synods hat dabei das Recht, einen Kandidaten vorzuschlagen, einschließlich sich selbst. Die drei Bischöfe, die im Synod die meisten Stimmen erhalten haben, werden dann dem erweiterten Kirchenkonzil als Kandidaten vorgestellt. Wann genau die Patriarchenwahl stattfinden wird, wurde bisher noch nicht kommuniziert bzw. wird wohl auch erst vom Heiligen Synod bestimmt.
Dem erweiterten Kirchenkonzil gehören Bischöfe, weitere Geistliche und auch Laien an. Den neuen Patriarchen wählen aber nur die Bischöfe. Gewählt gilt jener Kandidat, der mehr als die Hälfte der Stimmen der auf dem Bischofsrat anwesenden Bischöfe auf sich vereint. Das wären mindestens 20 der derzeit 39 Bischöfe. Erreicht in der ersten Wahlrunde keiner der Kandidaten die erforderliche Mehrheit, findet eine zweite Wahlrunde statt, an der die beiden Kandidaten teilnehmen, die die meisten Stimmen erhalten haben.
Nur Georgier zugelassen
An einen Kandidaten für das Patriarchenamt werden eine Reihe von Anforderungen gestellt: Er muss georgischer Nationalität und Bischof der Georgischen Orthodoxen Kirche sowie zwischen 40 und 70 Jahre alt sein, über eine theologische Ausbildung und umfangreiche Erfahrung in der Kirchenverwaltung verfügen.