Innsbrucker Bildungseinrichtung betont Rolle als Ort gesellschaftspolitischer Auseinandersetzung
Innsbruck, 24.04.2026 (KAP) Mit einem ganztägigen Fest hat das Haus der Begegnung (HdB) in Innsbruck am Donnerstag sein 60-jähriges Bestehen gefeiert. Die Einrichtung der Diözese Innsbruck versteht sich seit sechs Jahrzehnten als Ort für Bildung, Dialog und demokratisches Engagement. Bischof Hermann Glettler sowie Vertreterinnen aus Politik und Erwachsenenbildung würdigten in Grußworten die Bedeutung des HdB als überparteilichen Bildungsort. "Die Werte sind seit 60 Jahren gleichgeblieben - Begegnung, Respekt, Zuhören, sich aufeinander einlassen", so etwa Landesrätin Eva Pawlata. Lernen werde hier stets als gemeinschaftlicher Prozess verstanden.
Einen spirituellen Akzent setzte eine Wortgottesfeier unter dem Titel "Demokratie braucht Mut!". Der Innsbrucker Diözesanbischof betonte dabei die Bedeutung von Zuhören und Dialog: Es gelte, "dem Fragenden die Mitte offen zu halten" und eine Kultur des Nachfragens und der Begegnung zu pflegen. Demokratische Kultur brauche persönliche Beteiligung sowie eigenständiges Denken. "Ich wünsche uns allen Mutausbrüche, die das Herz öffnen und wirken lassen", so Glettler.
Der inhaltliche Schwerpunkt der Feier lag auf der Frage, wie Demokratie heute gelebt werden kann. Ein performativer Beitrag zweier Beatboxer stellte unter dem Titel "Demokratie braucht faire battles!" das Zuhören als zentrale demokratische Kompetenz heraus. "Demokratie braucht Meinungsverschiedenheiten, die ausgehalten, aber auch produktiv in Debatte überführt werden müssen", erklärte dazu Programmleiterin Magdalena Modler-El Abdaoui. Am Abend widmete sich eine Keynote der Ökonomin Barbara Blaha Fragen von Verteilung und sozialer Gerechtigkeit.
Demokratische Beteiligung stärken
Das Haus der Begegnung verstehe sich "nicht als neutraler Veranstaltungsort, sondern als aktiver Akteur in gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen", wurde das Selbstverständnis dargelegt. Die Bildungsangebote, Tagungen und Initiativen sollen dabei aktuelle Herausforderungen aufgreifen, kritisches Denken fördern und demokratische Beteiligung stärken "ohne fertige Antworten zu präsentieren - gerade in Zeiten wachsender Polarisierung und sinkender Dialogbereitschaft". "Wenn wir uns erklären, die Perspektiven anderer erfragen und gemeinsam ganz neue, dritte Wege entwickeln können, entsteht Lernen als lebendiger Prozess", so Modler-El Abdaoui.