Münsteraner Religionssoziologe Pollack referierte bei "Thomas-Akademie" an Katholischer Privat-Universität Linz über Säkularisierung als Konzept und Realität
Linz, 24.04.2026 (KAP) Trotz anhaltenden Relevanzverlusts bleiben die Kirchen auch in säkularen Gesellschaften wichtige Orte der Regeneration gemeinschaftsstiftender Werte: Darauf hat der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack bei einem Vortrag am Donnerstag in Linz hingewiesen. Auch wenn die Kirchen immer seltener "Player der Tagespolitik" oder "gesellschaftliche Dominanzfaktoren" seien, so würden in ihnen bzw. von ihren Mitgliedern doch gesellschaftlich positiv besetzte Werte wie Solidarität und Fairness gelebt. Außerdem würden die Kirchen in den Bereichen ehrenamtlicher und sozialer Arbeit weiterhin eine hohe Anerkennung genießen. "Die Formen gelebter Gemeinschaftlichkeit sind eine Qualität, die in vielen anderen gesellschaftlichen Kontexten gebraucht wird", so Pollack.
Der Religionssoziologe war Hauptreferent der heurigen "Thomas-Akademie" an der Linzer Katholischen Privat-Universität (KU). Die Veranstaltung stand unter dem Titel "Säkularisierung heute" - der Vortrag von Pollack unter dem Titel "Säkularisierung verstehen. Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft". Unter den Zuhörern war u.a. der Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer, der die Veranstaltung auch eröffnete.
Wie die KU Linz im Anschluss mitteilte, zeichnete Pollack in seinem Vortrag die komplexen, unter dem Sammelbegriff "Säkularisierung" nur unzureichend differenzierten Prozesse des religiösen Wandels nach. Säkularisierung sei immer wieder als "Kampfbegriff" verstanden worden, dabei könne man ihn auch zunächst nüchtern als deskriptive soziale Kategorie begreifen, die helfe, religiösen Wandel und kirchliche Relevanzverluste zu beschreiben.
USA und Orthodoxie: Auf "Hochphase" folgt Niedergang
Diesbezüglich sei die empirische Datenlage eindeutig, so dass man von einer "überwältigenden Evidenz" sprechen könne, die sich nicht nur auf den Bereich institutionalisierter Religion und ihrer Vollzugsformen beziehe, sondern ins Innerste des Glaubens führe. So tritt neben einem dramatischen Rückgang etwa des wöchentlichen Kirchgangs (bei Katholiken in Deutschland von rund 50 Prozent 1950 auf unter 6 Prozent 2022) eine Verflüchtigung des Glaubens an einen Gott bzw. die Gleichgültigkeit gegenüber Kernfragen des Glaubens.
An diesem Befund würden auch jüngere Phänomene wie die Rückkehr von Religion in den Bereich des Politischen in den USA oder in manchen Teilen der Orthodoxie nicht ändern, ergänzte Pollack. Im Gegenteil: die plötzliche Sichtbarkeit und neue politische Relevanz von Religion in diesen Phänomenen würden zahlreiche "negative Folgekosten" verursachen und die vermeintliche "Hochphase" letztlich den Niedergang noch beschleunigen, zeigte sich der Religionssoziologe überzeugt.
Münsteraner Religionssoziologe Pollack in Linzer "KirchenZeitung": Suche nach "Halt in einer unübersichtlichen Welt" bleibt wichtiger Impuls, sich Religion zuzuwenden - Pollack ist Referent bei "Thomas-Akademie" am 23. April in der KU Linz