Traditionalistische Priesterbruderschaft beharrt auf angekündigten Bischofsweihen ohne Zustimmung des Papstes
Econe, 24.04.2026 (KAP/KNA) Kalte Dusche von der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. für die beiden Kardinäle Gerhard Ludwig Müller und Robert Sarah: In einem am Donnerstag veröffentlichten längeren Interview warf der Generalobere, Davide Pagliarani, ihnen vor, Glaubensfragen nicht mit den Anforderungen des Kirchenrechts in Einklang bringen zu können.
Zugleich zeigte Pagliarani Verständnis dafür, dass konservative Kritiker des früheren Papstes Franziskus befürchten müssten, durch eine Nähe zur Piusbruderschaft "dämonisiert" zu werden. Über diesen Aspekt hinaus fehle den Kardinälen jedoch die Fähigkeit, die aktuelle kirchenrechtliche Lage angemessen zu bewerten.
Hintergrund der Äußerungen sind die für 1. Juli angekündigten Bischofsweihen der mit Rom nicht in voller Gemeinschaft stehende Priesterbruderschaft. Nach Darstellung der traditionalistischen Bruderschaft soll damit ihr Fortbestand gesichert werden. Von den vier 1988 durch Gründer Erzbischof Marcel Lefebvre geweihten Bischöfen leben noch zwei. Bischofsweihen ohne Zustimmung des Papstes gelten nach katholischem Kirchenrecht als Straftat und ziehen die Exkommunikation der beteiligten Spender und Empfänger nach sich.
Dialogangebot ausgeschlagen
Pagliarani erklärte, der Glaube verlange Bekenntnis, Bewahrung und Weitergabe. Eine Bischofsweihe ohne Zustimmung des Vatikans erscheine nur dann unmöglich, wenn das Kirchenrecht rein wörtlich ausgelegt und die gegenwärtige Lage außer Acht gelassen werde. Genau dies hatte der frühere vatikanische Glaubenspräfekt Kardinal Müller zuletzt u.a. in einem "Communio"-Interview bestritten. Eine Bischofsweihe ohne ausdrückliche Erlaubnis des Papstes sei "mit nichts und von niemandem zu rechtfertigen", so der deutsche Kurienkardinal. Auch Kardinal Sarah hatte seine "tiefe Besorgnis" ob der angekündigten Bischofsweihen zum Ausdruck gebracht.
Nach jahrelanger Funkstille hatte der Vatikan nach der Ankündigung neuer Weihen im Februar die Wiederaufnahme des Dialogs mit der Piusbruderschaft angeboten. Die Gemeinschaft lehnte dies jedoch kurz darauf ab. Pagliarani bezeichnete die Offenheit des Vatikans nun als unerwünscht und verwies dabei auf Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare sowie die Toleranz gegenüber anderen Religionen. "Wir stehen vor einer ideologischen und totalitären Diktatur der Toleranz", sagte er.
Auch den verstorbenen Papst Franziskus (2023-2025) und dessen Erbe kritisierte Pagliarani als "Desaster". Die Priesterbruderschaft St. Pius X. lehnt die meisten Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab und beharrt auf alten Formen des Gottesdienstes. Ihr gehören weltweit mehr als 700 Priester an, die meisten davon in Nordamerika und in Frankreich.
Früherer Präfekt der Glaubenskongregation in "Communio"-Interview zu geplanten Bischofsweihen bei Piusbruderschaft: Bischofsweihe ohne ausdrückliche Erlaubnis des Papstes "mit nichts und von niemandem zu rechtfertigen"
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