Grünwidl: Kirche im Wandel erfordert neue Leitungsformen
24.04.202617:10
Österreich/Kirche/Leute/Grünwidl
Wiener Erzbischof bei Besuch in seiner früheren Pfarre Perchtoldsdorf: "Ärmel hochkrempeln und das Beste daraus machen"
Wien, 24.04.2026 (KAP) Der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl hat das Ringen um eine zeitgemäße Organisationsform der Pfarren als wichtige Herausforderung für die Kirche bezeichnet. Das bisherige engmaschige Pfarrnetz werde sich nicht vollständig aufrechterhalten lassen und es seien künftig neue Leitungsmodelle erforderlich, bei denen etwa "ein Team aus Getauften und nicht mehr ein Priester" eine Pfarre leite, sagte er am Donnerstag bei einem Besuch in Perchtoldsdorf. In der Pfarre hatte er 1987 seine "ersten pastoralen Gehversuche" unternommen und später neun Jahre lang als Pfarrer gewirkt. Er sei dennoch zuversichtlich, denn es gelte: "Wir krempeln die Ärmel auf und machen das Beste daraus", so Grünwidl.
Grünwidl betonte bei dem Gesprächsabend auf Einladung des Hochbergkreises in der Burg Perchtoldsdorf die Bedeutung der Seelsorge auch in seiner neuen Funktion. Weiterhin feiere er an Sonntagen Gottesdienst in jeweils einer anderen Pfarre der Diözese und nehme sich auch jede Woche Zeit für besondere Besuche etwa in einem Pflegeheim oder einem Wohnheim für ehemalige Obdachlose.
Im Mittelpunkt des von ORF-Redakteurin Barbara Krenn moderierten Gesprächs stand der gesellschaftliche Wandel. Der Erzbischof sprach von einem rasanten Kulturwandel in Österreich und der Kirche. Die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche sei heute weniger Tradition als persönliche Entscheidung. Zugleich warnte er davor, ausschließlich auf frühere Zeiten zurückzublicken. "Es wird nie wieder so sein, aber es ist gut, wie es heute ist", sagte Grünwidl.
Neues Dialogformat gesucht
Zu seinen prioritären gesellschaftlichen Themen sagte der Erzbischof, er müsse "laut" Stellung beziehen, wenn es um Lebensschutz, Menschenrechte und gesellschaftliche Spaltung gehe. Weiters wolle er gerne in einem neuen Format verschiedene Menschen aus den Bereichen Politik, Kultur und Gesellschaft zusammenbringen und "über die Frage diskutieren, wie sie sich eigentlich das Miteinander in der Zukunft vorstellen". Die Kirche sei auch dafür da, Menschen in Dialog zu bringen und Brücken zu schlagen, so der Erzbischof.
Auf die Frage, mit welcher Person aus der Geschichte oder der Gegenwart er einen Kaffee trinken würde, antwortete Grünwidl: Mit Johann Sebastian Bach. Für ihn sei es "völlig unbegreiflich, wie ein Mensch in einem Leben eine solche Fülle komponieren kann". Bach habe wohl um seine Genialität gewusst, sich aber "trotzdem wie ein Handwerker behandeln und bezahlen lassen".