Kirchenvertreter verschiedener deutscher Diözesen verteidigen ihren Kurs gegen die Kritik von Papst Leo XIV. an Regelung von Segnungsfeiern homosexueller Paare
Bonn/Rom, 25.04.2026 (KAP/KNA) Papst Leo XIV. hat die Entscheidung mehrerer deutscher Bischöfe kritisiert, förmliche Segnungen homosexueller Paare in ihren jeweiligen Diözesen zum Regelfall zu machen. Zuletzt hatte der Münchner Kardinal Reinhard Marx eine entsprechende Regelung verfügt. Der Papst erklärte, der Vatikan habe den deutschen Bischöfen bereits klargemacht, "dass wir die förmlichen Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren nicht billigen", sagte Leo XIV. am Donnerstag im Flugzeug von Äquatorialguinea nach Rom. Zugleich betonte er, die Kirche segne alle Menschen. Der Ausspruch von Papst Franziskus, wonach die Kirche offen sei für "alle, alle, alle", drücke den kirchlichen Glauben aus, dass alle Menschen eingeladen seien, Jesus nachzufolgen.
Papst Leo XIV. erklärte weiter, Fragen zur Sexualität stünden aus seiner Sicht nicht im Zentrum der kirchlichen Lehre. Themen wie Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit von Frauen und Männern sowie Religionsfreiheit hätten aus seiner Sicht "eine viel höhere Priorität". Fragen zur Sexualmoral sollten auch nicht über Einheit oder Spaltung der Kirche entscheiden, so Leo XIV.
Limburg hält an Regelung fest
In Deutschland sagte der Limburger Bischof Georg Bätzing am Freitag: "Seelsorgerinnen und Seelsorger werden ermutigt, diesen Wunsch verantwortungsvoll aufzugreifen und mit den Paaren Segensfeiern zu gestalten." Bätzing ergänzte: "Auch wenn es hierzu unterschiedliche Einschätzungen innerhalb der Weltkirche gibt, sehe ich diese Praxis im Bistum Limburg in einem verantwortbaren Rahmen. Sie dient den Menschen und gefährdet aus meiner Sicht nicht die Einheit der Kirche." Bätzing war bis vor wenigen Wochen Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Zugleich leitete er den katholischen Reformprozess, Synodaler Weg, bei dem das Papier mit dem Titel "Segen gibt der Liebe Kraft" entstand.
Die Diözese stellte klar, die betreffende Handreichung der Bischofskonferenz bleibe dort weiterhin Grundlage der pastoralen Praxis und werde nicht zurückgenommen. Sie greife den Wunsch von Menschen auf, die ihre Partnerschaft unter den Segen Gottes stellen möchten. Den Paaren, die sich eine Segensfeier wünschen, signalisiere die Diözese weiterhin Begleitung und Offenheit.
ZdK: Keine Gefahr der Verwechslung mit Ehesakrament
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) äußerte sich ähnlich. Es gebe keinen Grund, die Handreichung zurückzunehmen, sagte ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp gegenüber der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Das Papier empfehle lediglich, "Paaren, die keine kirchlich-sakramentale Ehe eingehen wollen oder denen eine solche nicht offensteht, Segensfeiern zu ermöglichen", betonte Stetter-Karp. "Nicht mehr und nicht weniger. Eine Verwechslung mit dem Ehesakrament ist ausgeschlossen." Es brauche weitere Kommunikation mit dem Vatikan. Der Reformprozess in Deutschland werde weitergehen.
Köln: Römischer Rahmen ermöglicht pastorale Nähe zu allen
Die Erzdiözese Köln erklärte, dass Kardinal Rainer Maria Woelki die Äußerungen des Papstes mit Dankbarkeit zur Kenntnis nehme. "Sie bekräftigen die Bedeutung eines gemeinsamen Vorgehens in der Weltkirche und sensibilisieren für die Gefahr der Trennung und Spaltung", hieß es. Für Woelki sei es wichtig festzuhalten, "dass es für uns im Erzbistum Köln selbstverständlich ist, alle Menschen zu segnen und ihnen die Nähe Gottes zuzusprechen". Der gesetzte Rahmen aus Rom ermögliche es, allen Menschen mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen und "pastoral sensibel" zu handeln.
In Essen erklärte Generalvikar Klaus Pfeffer auf Facebook: "Für mich ist das eine sehr wichtige Botschaft: Die Welt um uns herum brennt geradezu angesichts der zahlreichen Kriege, der Zunahme autoritärer Regime, des Zerfalls vieler Demokratien, der Zunahme von Hass und Gewalt in so vielen Bereichen. Da gibt es für Christinnen und Christen unendlich viele Aufgaben, um Position zu beziehen und um für Verständigung, Gerechtigkeit und Frieden einzutreten." Man müsse es aushalten, dass in manchen innerkirchlichen Lehrfragen derzeit keine Übereinstimmung zu finden sei. "Und vielleicht ist gerade das auch eine Aufgabe: Unterschiedliche Auffassungen auszuhalten, ohne sich gegenseitig mit persönlichen Attacken anzufeinden und in verbale Kriegszustände zu geraten - und innerkirchlich vorzuleben, was unsere Welt so dringend braucht."
Leo XIV. will mehr Einheit in der Kirche schaffen - Nun kommt es zu einer Bewährungsprobe - Auslöser sind Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare - Hintergrundbericht von Kathpress-Rom-Korrespondent Ludwig Ring-Eifel
Leo XIV. habe darauf hingewiesen, dass ein Schritt über die Erklärung "Fiducia Supplicans" hinaus die Einheit der Kirche gefährden würde, erklärt der auch als Queer-Aktivist bekannte Ordensmann
Leo XIV. betont zugleich: Themen wie Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit von Frauen und Männern sowie Religionsfreiheit haben für Kirche bei moralischen Fragen "eine viel höhere Priorität" als Sexualität
Kardinal Marx kündigte zuletzt Umsetzung einer Handreichung zur Segnung von Paaren, die nicht kirchlich heiraten können oder wollen, für seine Erzdiözese an